Mittwoch, 7. August 2019

Starship-Update, AMOS-17

Die Arbeiten an den beiden orbitalen Starship-Prototypen schreiten weiter zügig voran, wie diese aktuellen Bilder zeigen:

SpaceX-Standort in Cocoa Beach, Florida. Wie die neu entstandene käfigartige Struktur genutzt werden wird, ist noch nicht klar.





Boca Chica, Brownsville, Texas. Das Bild entstand bei einem Besuch von Musk am Montag.

Die nächste offizielle Präsentation zum Starship-Projekt soll nun am 24. August stattfinden. Musk kündigte an, bei der Gelegenheit alle wichtigen Designentscheidungen erläutern zu wollen.

Derweil hat SpaceX bereits damit begonnen, Anträge für Baugenehmigungen zu stellen, die für die Starship-Arbeiten auf Startkomplex 39A benötigt werden. Darauf ist gut zu erkennen, dass der Startturm für die Marsrakete ein Stück hinter und neben der Hauptplattform entstehen wird. Starship wird von einer 30 Meter hohen Plattform abheben, darunter wird sich ein so genannter flame deflector für den mächtigen Antriebsstrahl befinden.



AMOS-17-Mission erfolgreich

Gestern wurde der sechseinhalb Tonnen schwere AMOS-17-Kommunikationssatellit in einen geostationären Orbit transportiert. Dabei kam eine Falcon 9-Hauptstufe zum Einsatz, die bereits zwei Flüge hinter sich hatte und für diese dritte Mission in der nicht-wiederverwendbaren Konfiguration abhob. Der Flug war für den Kunden Spacecom kostenlos, da deren AMOS-6-Satellit bei einem fehlgeschlagenen Test mit der Falcon 9 im September 2016 zerstört worden war. Es war die zehnte SpaceX-Mission in diesem Jahr.

Ein selten gewordener Anblick: Eine Falcon 9 ohne Landebeine (Bild: K. Scott Piel, Flickr)



Zum ersten Mal gelang es bei dieser Mission, eine der Nutzlastverkleidungen mit einer Netzvorrichtung an Bord eines Bergungsschiffes aufzufangen:





Samstag, 27. Juli 2019

Erster Hopser mit SpaceX' Starhopper erfolgreich

Der subortbitale Prototyp der geplanten Starship-Marsrakete von SpaceX, Starhopper, hat am 25. Juli zum ersten Mal eine Höhe von ca. 20 Metern erreicht.



 
Bei einem Triebwerkstest eine Woche zuvor hatte es einen zumindest gefährlich aussehenden Zwischenfall gegeben, bei dem ein gewaltiger Feuerball Starhopper vollständig einhüllte (zweites Video). Der Schaden war aber minimal, wie dieses aktuelle Bild zeigt:


Hier hat sich die Entscheidung von SpaceX, auf widerstandsfähigen Stahl statt auf Kohlefaser-Verbundwerkstoffe zu setzen, also schon ausgezahlt.

Außerdem gibt es wieder einmal ein paar neue Infos direkt von Elon Musk zum derzeitigen Designstatus von Starship:

  • Die erste Stufe, genannt Super Heavy, wird nun über 35 (statt wie bisher geplant 31) Raptor-Triebwerke verfügen.
  • Das Hitzeschutzsystem mit aktiver Kühlung der Außenhaut wird anscheinend vorerst nicht weiter verfolgt, stattdessen setzt man auf hitzebeständige Kacheln an der der Atmosphäre zugewandten Seite der Außenhülle. Ein paar Exemplare davon werden auf der derzeit laufenden CRS18-Mission zur ISS mit der Dragon-Kapsel getestet werden.
  • Musk hofft, dass bereits in 2-3 Monaten erste Testflüge mit den beiden orbitalen Prototypen, die derzeit in Florida und in Texas zusammengeschweißt werde, stattfinden können. Nochmals 2-3 Monate danach könnten sie zum ersten Mal die Erdumlaufbahn erreichen, also Ende 2019 oder Anfang 2020.
  • Die orbitalen Prototypen werden dabei von Startkomplex 39A (Apollo- und Shuttleprogramm) in Florida abheben. Dafür wird eigens eine neue Startanlage entwickelt, die an der Rückseite des jetzigen Startturms montiert werden wird.

Samstag, 20. Juli 2019

Heute vor 50 Jahren: Menschen landen auf dem Mond

Zur Zeit läuft in (viel zu wenigen) Kinos die Dokumentation "Apollo 11". Absolut sehenswert, vor allem dank der hervorragenden Qualität der Videoaufnahmen, die dieses Ereignis greifbar machen und es an die Gegenwart heranrücken. Der gesamte Film kommt ohne Erzähler aus, das Gezeigte spricht für sich selbst.




Wer weiß, vielleicht gibt es eines Tages eine ähnliche Dokumentation über die erste bemannte Marsmission.

Freitag, 12. Juli 2019

Starship/Starhopper Update

  • Raptor-Triebwerk SN-06 (Serial Number 06) erreicht den Startplatz in Texas und wird in den Hopper-Prototypen eingebaut. Erste Hüpfer bis in 20 Meter Höhe könnte es laut Elon Musk frühestens nächsten Dienstag geben. Einer der orbitalen Prototypen könnte in den kommenden Monaten bereits eine Höhe von 20 Kilometern erreichen.


  • Bei einem kleinen Feuer am vergangenen Montag auf dem SpaceX-Gelände in Florida, wo derzeit der zweite orbitale Starship-Prototyp zusammenmontiert wird, gab es nur Sachschaden (ca. 100000 Dollar), verletzt wurde niemand. Auf diesem Video von Dienstag, 9. Juli, sind keine Brandschäden zu erkennen:


  • Aktuelle Nutzlast-Angaben für Starship von Musk: bis zu 150 Tonnen in eine niedrige Erdumlaufbahn wenn voll wiederverwendbar, unter realistischen Missionsbedingungen eher 100-125 Tonnen. Etwa das Doppelte ohne Wiederverwendung von erster bzw. zweiter Stufe. Damit ist auch die aktuelle Starship-Version immer noch das mit Abstand stärkste Trägersystem, das es jemals gegeben hat (bzw. in naher Zukunft geben wird).
  • Erste kommerzielle Mission für Starship möglicherweise bereits 2021: SpaceX befindet sich derzeit laut eigenen Angaben in Gesprächen mit drei Telekom-Unternehmen für eine erste kommerzielle Mission im Jahr 2021 mit dem neuen Träger. Musk hatte in der Vergangenheit gesagt, dass ein orbitaler Starship-Protoyp 2020 die Umlaufbahn erreichen könnte.
  • Musk plant eine weitere offizielle Starship-Präsentation für Ende Juli, nach Abschluss der ersten Testflüge mit Starhopper. 

Das bis jetzt bekannte Design dürfte in Teilen schon wieder überholt sein (Bild: SpaceX)

Mondprojekt: NASA-Manager Gerstenmaier verliert Posten

William Gerstenmaier, der 14 Jahre lang als Manager des bemannten Raumfahrtprogramms den nach dem NASA-Chef wohl wichtigsten Posten bei der Behörde bekleidete, muss gehen. Mit Ken Bowersox übernimmt ein ehemaliger Shuttle-Astronaut und SpaceX-Mitarbeiter seinen Job.

Jim Bridenstine, der seit gut einem Jahr die NASA leitet, machte die Ankündigung am Mittoch in einer E-Mail an die Mitarbeiter der Behörde. Als Grund gab er an, dass personelle Veränderungen notwendig seien, um das von der Trump-Regierung vorgegebene Ziel einer bemannten Rückkehr zum Mond bis 2024 zu erreichen. Auch Gerstenmaiers Stellvertreter, Bill Hill, wurde auf einen nachgeordneten Posten versetzt.

Ein Vertreter der alten Garde: Gerstenmaier im Juni 2019 (Bild: NASA)


Gerstenmaier leitete das HEOMD (Human Exploration and Operations Mission Directorate) bei der NASA und war in dieser Funktion seit 2005 u.a. für die ISS, Orion, SLS und auch Commercial Crew verantwortlich. Er brachte eine gewisse Kontinuität in die Projekte: Während er diese Top-Position innehatte, arbeitete er nacheinander mit drei verschiedenen NASA-Chefs (Michael Griffin, Charles Bolden und aktuell James Bridenstine) zusammen. Seine Laufbahn bei der NASA begann er bereits Ende der 70er-Jahre.

Gerstenmaier hat sich allerdings durch sein starres Festhalten an Projekten wie SLS und Gateway nicht nur Freunde gemacht. Die ehemalige stellvertretende NASA-Chefin Lori Garver etwa schrieb, er habe es denjenigen schwer gemacht, die Veränderungen wollten. Zudem kommen insbesondere SLS und Orion nicht voran und liegen Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück.

Ken Bowersox (Bild: NASA)
Der neue Mann auf dem Posten, Ken Bowersox, war fünfmal mit dem Space Shuttle im All und von 2009 bis 2011 für ca. zweieinhalb Jahre bei SpaceX beschäftigt. Gerüchten zufolge lief es dort für ihn jedoch nicht rund. Sein Stellvertreter wird Tom Whitmeyer, ein langjähriger NASA-Mitarbeiter.

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in der neuen Rolle am gestrigen Donnerstag sagte Bowersox, er wolle Entscheidungsprozesse innerhalb der Raumfahrtbeöhrde beschleunigen, dann sei die 2024-Deadline zu machen. Er stellte auch den bereits bekannten Missionsplan, basierend auf SLS, Orion, der Gatewaystation, sowie einem noch zu entwickelnden Lander vor, schränkte allerdings ein, dass dieser sich auch noch ändern könne. Seiner Meinung nach könne der Plan mit den vorhandenen finanziellen Mitteln realisiert werden. Bridenstine hatte erst kürzlich die Mehrkosten für ein beschleunigtes Mondprogramm auf 20-30 Milliarden Dollar insgesamt geschätzt.

Neuer Plan von Trump in der nächsten Woche?

Es gibt Gerüchte, wonach die Trump-Regierung das 50-jährige Jubiläum der ersten Mondlandung im Juli 1969 nutzen möchte, um eine große Ankündigung in Sachen Raumfahrt zu machen. Um was es sich dabei handelt, ist unklar: Erst im März hatte Vizepräsident Pence die NASA auf eine Mondlandung 2024 eingeschworen; allerdings hatte Trump die NASA via Twitter auch schon einmal aufgefordert, sich mehr auf den Mars zu konzentrieren.


Donnerstag, 4. Juli 2019

Nachrichten Mai/Juni

Hier nach längerer Pause eine geballte Ladung Informationen. Die vergangenen zwei Monate waren sehr ereignisreich.

Erste Starlink-Mission

Am 24. Mai brachte eine Falcon 9 Block 5 die ersten 60 Satelliten der geplanten Starlink-Konstellation von SpaceX in die Erdumlaufbahn. Starlink (offizielle Webseite) soll einmal 12000 Satelliten umfassen und schnellen Internetzugang fast überall auf der Welt ermöglichen. Vor allem bislang schlecht oder gar nicht ans Netz angebundene Regionen könnten davon profitieren.

Die am eigens dafür geschaffenen SpaceX-Standort in Redmond gebauten Satelliten waren dicht an dicht in die Nutzlastsektion gepackt. Das Aussetzen funktionierte problemlos. Am Boden ließen sich die Satelliten daraufhin anfangs als eindrucksvolle Lichterkette beobachten (s. Video).

Die bislang schwerste Nutzlast für eine Falcon 9: 60 Starlink-Satelliten am Boden...

...und in der Umlaufbahn. Die erste Stufe der Falcon 9 schaffte die Landung.

Mittlweile haben 45 von 60 Satelliten ihre vorgesehenen Umlaufbahnen erreicht. Fünf sind noch auf dem Weg dorthin, fünf weitere werden zuvor noch durchgecheckt, zwei werden planmäßig zum Ansturz gebracht um das entsprechende Prozedere zu testen und mit dreien ist die Kommunikation abgerissen. Diese drei werden ebenfalls abstürzen und in der Erdatmosphäre verglühen.

SpaceX plant mindestens eine weitere Starlink-Mission noch in diesem Jahr. Dabei wird eine bereits geflogene Falcon 9-Zentralstufe wiederverwendet werden.

Die Satellitenkonstellation könnte bereits nächstes Jahr den Betrieb aufnehmen, bis zum vollständigen Aufbau wird es aber noch einige Jahre dauern.


Auch die Nutzlastverkleidungen wurden aus dem Wasser geborgen (Bilder: SpaceX).




Dritter Start von Falcon Heavy

Nach Starlink folgte am 12. Juni die Radarsat-Mission für die kanadische Raumfahrtbehörde. Auch hier gelang die Landung der ersten Stufe, augenscheinlich fast schon Routine für SpaceX. Der Start erfolgte in dichtem Nebel von der Vandenberg-Basis in Kalifornien.

Nur zwei Wochen später, am 25. Juni, hob dann Falcon Heavy zum dritten Mal ab. 24 Satelliten wurden für die Air Force, NASA, NOAA, sowie mehrere Universitäten im Rahmen der STP (Space Test Program)-2-Mission erfolgreich ins All transportiert.

Erster Nachstart für Falcon Heavy von SLC-39A in Florida (Bild: SpaceX)

Die beiden Seitenbooster legten, wie schon bei den ersten beiden Missionen, eine Bilderbuchlandung hin. Die Zentralstufe schaffte es dagegen nicht, anders als bei der zweiten Mission im April. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass SpaceX diesmal ganz bewusst die Grenzen des Systems austesten wollte: Bei keiner Mission zuvor erreichte die Zentralstufe eine so hohe Geschwindigkeit und flog so weit.

Erstmals gelang es bei dieser Mission, eine der Nutzlastverkleidungen mit einem Netz an Bord eines Bergungsschiffs aufzufangen. SpaceX veröffentlichte dazu heute ein faszinierendes Video.




Starship-Update

Vor gut einem Monat schrieb Musk auf Twitter, dass die neue Riesenrakete Starship/Superheavy (früher BFR genannt) eine erneute Designiteration durchlaufen hat, die Flügel würden überarbeitet. Den Zeitplan würde das allerdings nicht allzu sehr durcheinanderbringen.

Derzeit arbeiten gleich zwei Teams von SpaceX, eins in Texas und eins in Florida, an ersten flugfähigen Starship-Prototypen. Außerdem wird man in Kürze wieder Hüpfer mit dem suborbitalen Starhopper durchführen.

Arbeiten am orbitalen Starship-Prototypen in Florida

Musk sagte außerdem, dass die Konstruktion des Superheavy genannten Boosters im August beginnen könnte. Dafür werde man für den Anfang "nur" 20 Raptor-Triebwerke verbauen, um den Schaden im Fall eines Unfalls etwas zu minimieren. Die finale Superheavy-Version wird 31 Triebwerke haben.


Artemis-Mondprogramm der NASA in Schwierigkeiten

Die NASA hält trotz aller Kritik an ihren Plänen zum Bau einer kleinen Raumstation im Mondorbit, genannt Gateway, fest. Diese spielt eine wichtige Rolle für das Artemis-Mondprogramm der NASA, das zum Ziel hat, bereits 2024 wieder Astronauten auf dem Mond zu landen - die Erfolgsaussichten dafür sind jedoch sehr gering, aus mehreren Gründen.

Vor zwei Monaten kursierten Schätzungen, dass ein derart beschleunigtes Programm Mehrkosten von 40 Milliarden Dollar, verteilt auf fünf Jahre, verursachen würde. Mitte Juni wurde es dann konkreter und offiziell. NASA-Chef Bridenstine spricht nun von 20-30 Milliarden, d.h. 4-6 Milliarden pro Jahr über den bisherigen Budgetplanungen. Dass der Kongress diese Mittel bewilligt, ist äußerst unwahrscheinlich, zumal die Demokraten im Repräsentantenhaus das Vorhaben ohne Weiteres blockieren können; in dieser Kammer haben sie die Mehrheit und sie stehen bekanntlich mit Präsident Trump auf Kriegsfuß.

Zu der nicht tragfähigen Finanzplanung kommen immer neue Verzögerungen mit der Riesenrakete SLS, die nun frühestens 2021 zum ersten Mal starten soll. Zu Beginn des Projekts ging man von 2016 aus.

Wie dem auch sei, die NASA gibt sich unbeirrt und hat im Mai einen Auftrag an die Firma Maxar Technologies vergeben, die in Zusammenarbeit mit Blue Origin und Draper das Antriebs- und Energiemodul für die Gateway-Station bauen soll. Start wäre 2022, möglicherweise würde dafür die New Glenn-Rakete zum Einsatz kommen, die Blue Origin derzeit entwickelt.

Vielleicht kommt aber auch alles ganz anders: Innerhalb der Trump-Regierung gibt es Bestrebungen, dem Gateway-Projekt den Geldhahn zuzudrehen, um das Ziel einer Mondlandung schneller und günstiger erreichen zu können.


Donnerstag, 27. Juni 2019

Europa will SpaceX-Technologie kopieren

Nachdem man in Europa jahrelang die Überlegenheit von SpaceX durch die Entwicklung wiederverwendbarer Zentralstufen geleugnet hat, soll nun nachgeholt werden, was in dieser Zeit versäumt wurde - ein klassisches Beispiel von "too little, too late"?

Die Europäische Union fördert mit insgesamt drei Millionen Euro die Entwicklung von Technologien, die für wiederverwendbare Trägersysteme benötigt werden. Unter dem Projektnamen RETALT (RETropropulsion Assisted Landing Technologies) sollen Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und fünf private Unternehmen versuchen, den erfolgreichen Ansatz von SpaceX zu kopieren.

Zwei Raketen-Konfigurationen sollen untersucht werden: RETALT1, ein zweistufiger Falcon 9-Klon, und RETALT2, ein einstufiges System, das Ähnlichkeit mit den amerikanischen Roton- und DC-X-Prototypen aus den 90er Jahren hat. RETALT1 nutzt als Antrieb sieben modifizierte Vulcain 2-Triebwerke und ist für Nutzlasten von 30 Tonnen in eine niedrige Erdumlaufbahn ausgelegt. Bei beiden Raketen handelt es sich lediglich um Studien, sie werden nicht tatsächlich gebaut werden, geschweige denn fliegen.

RETALT1 sieht der Falcon 9 zum Verwechseln ähnlich (Bild: RETALT)

Mit RETALT2 soll das Konzept eines einstufigen, orbitalen Trägers untersucht werden (Bild: RETALT)

Wie sich dieses Unternehmen in die bereits bestehenden Projekte Callisto und Prometheus einfügt, ist unklar. Drei Millionen Euro sind zudem eine sehr kleine Summe für das selbst gesteckte Ziel, europäisches Know-how, vergleichbar dem von SpaceX, im Bereich wiederverwendbarer Raketen zu schaffen. SpaceX benötigte nach eigenen Angaben für die Weiterentwicklung der ursprünglichen Falcon 9 in die heute existierende, teilweise wiederverwendbare Block 5-Variante ca. eine Milliarde Dollar.

Dazu kommt, dass SpaceX nicht stillsteht, sondern bereits an der Entwicklung eines vollständig wiederverwendbaren Trägers (BFR/Starship) arbeitet, der voraussichtlich innerhalb der nächsten fünf Jahre einsatzbereit sein wird. Daher vergrößert sich der technologische Abstand zu Europa laufend weiter.

Mittwoch, 1. Mai 2019

NASA schätzt Mehrkosten für Mondlandung bis 2024 auf 40 Milliarden Dollar

Der normalerweise ausgezeichnet informierte Raumfahrtjournalist Eric Berger schreibt heute auf arstechnica über Budgetschätzungen der NASA für ein beschleunigtes Mondprogramm.

Demnach rechnet man mit zusätzlichen Kosten von ca. acht Milliarden Dollar jährlich für die nächsten fünf Jahre, soll das Ziel einer bemannte Landung schon 2024 (statt wie bisher angedacht 2028) erreicht werden. Auch gibt es laut Berger Widerstände innerhalb der NASA-Bürokratie. Vor allem der hochrangige NASA-Manager William Gerstenmaier scheint am ursprünglichen Zeitplan festhalten und den Schwerpunkt bis auf Weiteres auf die Gateway genannte Station im Mondorbit legen zu wollen. Es wäre nicht das erste Mal, dass NASA-Bürokraten von der Politik vorgegebene Ziele sabotieren, siehe Bushs Space Exploration Initiative von 1989, für deren Umsetzung die Raumfahrtbehörde einen völlig unpraktikablen und extrem teuren Plan präsentierte.

Doch allein die geschätzten Mehrkosten lassen es äußerst unwahrscheinlich erscheinen, dass das jetzige Vorhaben in die Tat umgesetzt werden wird. Im Repräsentantenhaus haben die Demokraten die Mehrheit und sie werden für ein Trump-Projekt sicher keine zusätzlichen Mittel bewilligen. Im Senat hält Richard Shelby die Fäden in der Hand, mit dem der neue NASA-Chef es sich bereits nachhaltig verscherzt haben könnte, als er die Möglichkeit ins Spiel brachte, die erste Orion-Mission zum Mond statt mit SLS (ein von Senator Shelby seit Jahren protegiertes Projekt) mit einer kommerziellen Rakete durchzuführen.

Hohe Kosten, fraglicher Nutzen: Gateway würde quasi eine Mini-ISS im Mondorbit (Bild:NASA)

Soll das Mondprojekt tatsächlich beschleunigt werden, ohne dabei von einer völlig unrealistischen Finanzplanung auszugehen, führt an einer kompletten Umstrukturierung der bisherigen Planung kein Weg vorbei. Ein rein kommerziell ausgerichtetes Programm ohne SLS, Orion und Gateway-Station könnte vielleicht mit den vorhandenen Mitteln realisiert werden. Die Chancen dafür stehen allerdings mindestens ebenso schlecht wie für einen Erfolg unter Beibehaltung des Status quo.

Mögliche Alternative: Starship von SpaceX ermöglicht Landungen auf Mond und Mars ganz ohne Gateway (Bilder: SpaceX)


Montag, 29. April 2019

Neue offizielle Bilder von Starship

Elon Musk hat heute auf Twitter zwei neue Bilder des überarbeiteten Starship-Designs gepostet. Durch die blank polierte Außenhaut aus Edelstahl ähnelt es den Science-Fiction-Visionen einer Weltraumrakete aus den 50er Jahren.

Die Evolution des Starship-Designs von 2017 bis heute, von oben nach unten (Bilder: SpaceX)

Starship auf dem Mond (Bild: SpaceX)



Die Ähnlichkeit zu von Brauns frühen Ideen ist verblüffend

Montag, 22. April 2019

Nachrichten März/April

Erfolgreicher Testflug von Crewdragon, Explosion bei Test am Boden

Bereits am 2. März startete die Dragon 2-Kapsel, die in naher Zukunft Astronauten ins All bringen soll, zu ihrem ersten unbemannten Testflug. Im Rahmen der mehrfach verschobenen Demo-1-Mission wurde das von SpaceX entwickelte Raumfahrzeug an der Spitze einer Falcon 9-Rakete in eine Erdumlaufbahn befördert. Die Kapsel erreichte die Internationale Raumstation ISS am nächsten Tag, gut 24 Stunden nach dem Start. An Bord ein "Ripley" getaufter Testdummy, sowie ein etwa ballgroßes Kissen in Form einer anthropomorphen Erde. Das niedliche Stofftier sollte dabei schlicht als "zero-g indicator" dienen, also das Eintreten der Schwerelosigkeit anzeigen.
Dragon 2 dockte selbstständig an der Raumstation an; anders als die Dragon-Frachtkapsel, die vom Roboterarm der ISS geführt "anlegt" (berthing). Alle Systeme, einschließlich der Lebenserhaltung, funktionierten augenscheinlich einwandfrei.
Am 8. März dockte Dragon 2 wieder ab und wasserte im Atlantik, wo sie von einem SpaceX-Schiff an Bord genommen wurde.

Dragon 2 beim Andockmanöver am 3. März (Bild: NASA)

Der Weg für den letzten unbemannten Test, bei dem ein Abbruch während des Fluges erprobt werden soll, schien nach der erfolgreichen ersten Demomission frei. Doch leider gab es am 20. April bei einem Test am Boden mit der Dragon 2-Kapsel einen schweren Zwischenfall. Aus noch ungeklärter Ursache kam es zu einer Explosion, bei der die Kapsel (die eigentlich auch bei der zweiten Demomission zum Einsatz kommen sollte) zerstört wurde.

Die NASA und SpaceX untersuchen das Problem. Es wird somit praktisch sicher zu weiteren Verzögerungen kommen, so dass unklar ist, ob wie geplant noch in diesem Jahr die erste Mission mit Astronauten an Bord starten kann.


Zweiter Flug von Falcon Heavy

Ein gutes Jahr nach dem erfolgreichen Erststart hob der Schwerlastträger von SpaceX am 11. April zum zweiten Mal ab. Statt eines Tesla-Roadsters als Testnutzlast war diesmal der sechseinhalb Tonnen schwere Kommunikationssatellit Arabsat-6A an Bord.

Start vom frisch renovierten Startkomplex 39A in Florida (Bild:SpaceX)

Die Mission war ein voller Erfolg: Diesmal gelang die Rückführung aller drei Booster; auch die Zentralstufe schaffte die Landung auf der Seeplattform im Atlantik (beim Jungfernflug war diese noch auf dem Wasser zerschellt). Dabei erreichte sie bei Brennschluss eine Rekordgeschwindigkeit von weit über 10000 km/h.

Synchrone Landung der beiden Seitenbooster (Bild: SpaceX)

Leider kam es dann aber noch zu einem Zwischenfall bei der Rückfahrt zur Küste. Bei schwerer See stürzte die Stufe um. Die Triebwerkssektion konnte aber gerettet werden.

Die Nutzlastverkleidungen wurden bei dieser Mission ebenfalls aus dem Wasser geborgen. Falcon Heavy ist somit zu mehr als 90% wiederverwendbar, nur die Oberstufe ist noch für eine Einwegnutzung vorgesehen.

Als nächste Mission steht im Juni STP-2 für das US-Militär an.


Erste Tests mit Starhopper 

Die Arbeiten am Prototypen für die Marsrakete von SpaceX gehen weiter. Inzwischen wurde ein einzelnes Raptortriebwerk an der Unterseite montiert und Starhopper hat zwei kleine Hüpfer unternommen - ganz ähnlich wie vor Jahren der Prototyp für die wiederverwendbare Falcon 9, Grasshopper. Der orbitale Prototyp wird auf demselben Gelände montiert und könnte vielleicht schon nächstes Jahr die Umlaufbahn erreichen. Unvorhergesehene Schwierigkeiten können die Planung aber jederzeit durcheinander bringen, siehe Dragon 2.

Stimmungsvolles Bild von Starhopper auf dem Testgelände in Texas (Bild: SpaceX)


Dienstag, 26. März 2019

USA wollen 2024 wieder auf dem Mond landen

US-Vizepräsident Pence kündigte heute an, dass man innerhalb von fünf Jahren erneut Astronauten zum Mond schicken wolle. Die bisher letzte bemannte Mondmission war Apollo 17 im Jahr 1972.

Die Trump-Regierung hatte bereits Ende 2017 eine Rückkehr zum Mond als neues Ziel für die NASA ausgegeben, nachdem der Fokus unter Obama auf der Vorbereitung einer bemannten Marsmission gelegen hatte (diese hätte allerdings nach letzten Prognosen frühestens Ende der 30er Jahre starten sollen).
Intern war man bisher von 2028 als Datum für eine eine erste Landung im Rahmen des neuen Mondprogramms ausgegangen. Der Zeitplan soll nun also deutlich gestrafft werden. Langfristiges Ziel ist weiterhin der Aufbau einer Mondbasis und auch bemannte Marsmissionen.

Erst vor zwei Wochen hatte NASA-Chef Bridenstine für Aufsehen gesorgt, als er die Möglichkeit ins Spiel brachte, die erste Mission der Orion-Kapsel mit einer privaten Rakete statt mit der um Jahre verspäteten Riesenrakete SLS durchzuführen. Dieser Alternative werden aber nur geringe Chancen auf Verwirklichung eingeräumt.

Es ist unklar, wie eine derart drastische Beschleunigung des Zeitplans für bemannte Mondlandungen gelingen soll, wenn es bei der bisherigen Planung bleibt, in der SLS und eine kleine Raumstation im Mondorbit (die von vielen als unnütz kritisiert wird) eine wichtige Rolle spielen. Von Budgeterhöhungen für die Raumfahrtbehörde war jedenfalls keine Rede.

Herzstück des bisherigen Plans: Lunar Gateway, ein Projekt mit zweifelhaftem Nutzen (Bild: NASA)

Die NASA unter Trump will private Firmen beim Mondprojekt einbinden, insbesondere "New Space"-Unternehmen wie SpaceX und Blue Origin. SpaceX plant die ersten orbitalen Flüge mit ihrer wiederverwendbaren Riesenrakete Starship bereits für nächstes Jahr. Eine bemannte Mondmission wäre damit kein Problem - ohne SLS, ohne Lunar Gateway. Elon Musk äußerste sich bereits entsprechend; er denke dabei ein an wettbewerbsorientiertes, kommerzielles Programm zum Aufbau einer Mondbasis - eine Bezahlung der beteiligten Unternehmen würde nur bei erfolgreicher Landung erfolgen.

Starship beim Wiedereintritt in die Atmosphäre in einer künstlerischen Darstellung (Bild: SpaceX/Popular Mechanics)

Es wir sich bald zeigen, wie ernst man die Vorgabe von Pence nehmen kann. Ohne eine grundlegende Planänderung wird es nicht gehen, eine Mondlandung mit SLS bis 2024 ist praktisch ausgeschlossen. Pence machte zwar entsprechende Andeutungen, doch SLS hat immer noch eine sehr starke Lobby im US-Kongress.


Mittwoch, 13. März 2019

SLS-Projekt zunehmend unter Druck

Es sieht so aus, als könnte sich die NASA den Realitäten nicht länger verweigern: Die erste Orion-Mission wird nun möglicherweise mit einer Falcon Heavy statt mit SLS starten.

Bei einer Anhörung vor dem Kongress sagte NASA-Chef Bridenstine, dass man in Erwägung ziehe, die für Sommer 2020 geplante erste Mission mit der Orion-Crewkapsel statt mit dem neuen Schwerlastträger SLS mit einer kommerziellen Trägerrakete durchzuführen. Orion wird bei dieser Mission unbemannt eine Mondumrundung durchführen. Für diese Aufgabe ist derzeit eigentlich nur die Falcon Heavy von SpaceX ausreichend leistungsstark. New Glenn von Blue Origin wird frühestens 2021 zum ersten Mal abheben, kommt daher also nicht in Frage. Mit Delta IV oder Atlas V bräuchte es wohl zwei Starts, um die knapp 26 Tonnen schwere Crewkapsel samt Servicemodul und außerdem eine Oberstufe für den Einschuss auf eine Flugbahn zum Mond separat in eine Erdumlaufbahn zu befördern.

Scheinen sich gut zu verstehen: Elon Musk (links) und Jim Bridenstine (Quelle: Twitter)

Schon im neuen Budgetvorschlag der Trump-Regierung kam SLS nicht gut weg. Eine unbemannte Forschungsmission zum Jupitermond Europa (Europa Clipper) soll nun nicht mehr mit der NASA-Rakete stattfinden, sondern auch hier setzt man auf kommerzielle Alternativen. Außerdem sollen die Arbeiten an der Block 1B genannten, leistungsfähigeren Variante des Trägers auf Eis gelegt werden. Es sieht zunehmend so aus, als bereite man sich schon auf das Ende des Projekts vor, das wohl ohnehin unausweichlich ist, sobald New Glenn von Blue Origin und Starship von SpaceX einsatzbereit sind. Diese Trägersysteme sind im Gegensatz zu SLS ganz bzw. teilweise wiederverwendbar und um ein Vielfaches günstiger in Betrieb und Entwicklung.


Sonntag, 17. Februar 2019

Nachrichten Januar/Februar


Mehr Informationen zum Hitzeschutz-System von Starship

Elon Musk hat näher erläutert, wie er sich das Hitzeschutz-System vorstellt, mit dem Starship sicher zur Erde zurückkehren soll. Wie bereits bekannt, wird das wiederverwendbare Raumschiff nun aus Edelstahl (statt wie ursprünglich geplant aus Verbundwerkstoff) gefertigt werden. Stahl ist zwar schwerer aber auch hitzebeständiger. Der eigentliche Clou wird aber ein neuartiges System zur aktiven Kühlung der Außenhaut sein: Durch tausende winzige Löcher entweicht Wasser oder Treibstoff und führt so Hitze ab: Das Raumschiff "schwitzt". Ein derartiges System ist noch nie in der Raumfahrt erprobt worden. Sollte es jedoch funktionieren, wäre es ein großer Fortschritt gegenüber kachelbasierten oder ablativen Hitzeschilden.

Noch gibt es keine offiziellen Bilder des aktuellen Designs, aber so oder ähnlich dürfte es aussehen (Bild: Reese Wilson)


Raptor-Tests

Seit dem 3. Februar laufen bei SpaceX die ersten Tests eines Raptor-Triebwerks in Originalgröße. Dabei wurde schon jetzt ein Rekord in puncto Brennkammerdruck gebrochen, der über Jahrzehnte vom russischen RD-180-Triebwerk gehalten worden war. Raptor erreichte einen Brennkammerdruck von 268,9 bar. Das ist immer noch ein gutes Stück von den ursprünglich anvisierten 300 bar entfernt, aber vermutlich wird man sich langsam steigern, wie auch schon bei der Entwicklung des Merlin-Triebwerks. Auf jeden Fall sind die Tests ein großer Erfolg, da Raptor quasi das Herzstück der neuen Riesenrakete Super Heavy/Starship darstellt. Mit ihm steht und fällt der Erfolg dieses Projekts.

Raptor auf dem Teststand (Bild: SpaceX)


Vorbereitungen für zweiten Start von Falcon Heavy

Frühestens Ende März wird SpaceX' Flagschiff Falcon Heavy nach dem geglückten Jungfernflug im Februar letzten Jahres zum zweiten Mal abheben. Es scheinen nun alle drei Falcon-Stufen den Startkomplex in Florida erreicht zu haben. Bei der Mission soll der Kommunikationssatellit Arabsat-6A ins All gebracht werden. Bereits im April könnte die STP-2-Mission für das US-Militär folgen. Sehr wahrscheinlich wird es aber zu Verzögerungen kommen.


Stratolaunch beerdigt Zukunftspläne

Nach dem Tod seines Gründers Paul Allen im vergangenen Oktober scheinen die Raumfahrt-Ambitionen von Stratolaunch Geschichte zu sein. Wie das Unternehmen mitteilte, wurden die Entwicklungsarbeiten an eigenen Trägerraketen eingestellt. Das riesige Trägerflugzeug soll zwar weiterhin Flüge mit der Pegasus XL-Rakete von Orbital durchführen, doch ist dies nicht vergleichbar mit den ursprünglichen Plänen, an deren Ende ein voll wiederverwendbares System stehen sollte.

Ersatzlos gestrichen: Nur Pegasus XL (ganz links) wird weiterentwickelt (Bild: Stratolaunch)


Mondpläne der NASA

Die amerikanische Raumfahrtbehörde will - wieder einmal - zurück zum Mond. Bis Ende der 20er Jahre sollen wieder Astronauten den Erdtrabanten betreten. Dieses Mal sollen private Unternehmen sehr viel stärker eingebunden werden, so gibt es nun etwa - analog zum Commercial Orbital Transportation Services und zum Commercial Crew Programm - ein Commercial Lunar Payload Services Programm. Allerdings scheint die Behörde für bemannte Missionen auch weiterhin darauf zu beharren, einen Referenz-Missionsplan vorzugeben, an dem sich alle Firmen mit ihren Vorschlägen orientieren müssen, wenn sie tatsächlich Gelder erhalten wollen. Dabei spielt eine "Gateway" genannte kleine Raumstation im Mondorbit eine zentrale Rolle. Diese wird jedoch von Kritikern wie dem Raumfahrt-Ingenieur Robert Zubrin als unnötig bzw. unsinnig angesehen. Tatsächlich würde ein solcher Zwischenstopp bei Mondlandungen mit dem BFR-System von SpaceX nicht benötigt. Wie offen die NASA tatsächlich für abweichende Ideen ist, wird sich zeigen. Da die Arbeiten an SLS und Orion aber weitergehen, ist nicht damit zu rechnen, dass ein grundlegend anderer Missionsplan (der diese milliardenschweren Projekte überflüssig machen würde) realistische Aussichten hat, angenommen zu werden.

Konzept für die "Gateway"-Raumstation mit angedockter Orion-Kapsel (Bild: NASA)


Freitag, 11. Januar 2019

Starhopper-Update

Der Prototyp für das geplante Starship von SpaceX (bislang BFR bzw. BFS genannt), ist (äußerlich) fertig; Elon Musk postete ein entsprechendes Bild auf Twitter. Die Testrakete im 50er-Jahre-Look wurde in weniger als zwei Monaten auf einem Feld in Texas zusammengeschweißt. Sie wird vor allem dazu dienen, das Gewicht und die äußere Form des späteren echten Raumschiffs für die neuen Raptortriebwerke zu simulieren, quasi ein fliegender Teststand.

Man beachte den Menschen im SpaceX-Raumanzug unten rechts
Künstlerische Darstellung (Bild: reddit-Nutzer zathermos und roow110)






















Musk rückte bei der Gelegenheit auch noch mit zwei weiteren Informationen heraus: Der erste orbitale Starship-Prototyp könnte bereits in sechs Monaten fertiggestellt sein (ein Flug in die Umlaufbahn könnte 2020 stattfinden, wenn es sehr gut läuft). Und die Super Heavy genannte Booster-Stufe wird, wie Starship, eine spiegelnde Außenhaut haben. Das dürfte dann etwa so aussehen wie im Bild oben rechts.

Mittwoch, 9. Januar 2019

News-Zusammenfassung zum Jahreswechsel

Nach längerer Pause hier zum Jahresanfang eine Zusammenfassung der Raumfahrt-Nachrichten für die vergangenen beiden Monate:

SpaceX-Update

Das BFR-Design ist immer noch im Fluss und hat sich allem Anschein nach noch einmal drastisch verändert. Außerdem gibt es zum wiederholten Mal eine Namensänderung. BFR heißt jetzt offiziell Starship (Oberstufe) bzw. Super Heavy (Booster). Die neue Riesenrakete von SpaceX wird nun hauptsächlich aus (rostfreiem) Stahl bestehen, statt wie bisher geplant aus Verbundwerkstoff. Laut Elon Musk ist Stahl vor allem bei hohen Temperaturen, wie sie beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auftreten, überlegen. Obwohl Stahl schwerer ist, lässt sich so bei der Gesamtkonstruktion Gewicht sparen, da kein separater Hitzeschild benötigt wird. Die stählerne Außenhaut von Starship wird ein spiegelndes Finish erhalten; damit wird die Rakete den 50er-Jahre-Visionen eines Raumfahrzeugs immer ähnlicher. Außerdem wird es ein aktives Kühlsystem geben: flüssiges Methan wird durch den Rumpf gepumpt werden, um so Hitze abzuführen.
Auch das Raptor-Triebwerk hat laut Musk ein "radikales" Redesign durchlaufen, eine erste Testzündung könnte nächsten Monat stattfinden.

Derzeit entsteht in Texas ein Prototyp des Starships, mit dem bereits im März oder April 2019 erste "Hüpfer" unternommen werden sollen. Ähnlich lief es auch bei der Entwicklung der wiederverwendbaren ersten Stufe der Falcon 9; SpaceX führte dafür Testflüge mit einem "Grasshopper" getauften Prototypen durch.
Der Starship-Prototyp hat mit neun Metern den gleichen Durchmesser wie die finale Version, ist aber deutlich kürzer. Drei Raptor-Triebwerke sollen das silbrig schimmernde Gefährt vom Boden heben.

Eine offizielle Präsentation des aktuellen BFR-Designs wird es voraussichtlich im Frühjahr geben. Musk schätzt die Chancen, dass Starship bereits 2020 die Erdumlaufbahn erreichen könnte, auf 60%.

Der Starship-Prototyp wird quasi auf freiem Feld zusammengeschweißt (Bild: SpaceX)

Ein aktuelles Bild aus Boca Chica, Brownsville, Texas



Weitere SpaceX-Nachrichten/Sonstiges:

CRS-16-Booster schafft die Landung nicht

Da die Hydraulik einer der Gitterflossen ausfiel, funktionierte diese beim Landeanflug nicht richtig und die erste Stufe geriet fast außer Kontrolle. Es gelang aber, sie soweit zu stabilisieren, dass eine sanfte Wasserlandung möglich war. Der Booster wurde geborgen und kann möglicherweise trotz des ungeplanten Bads im Atlantik erneut zum Einsatz kommen.



Wiederverwendung der Nutzlastverkleidung

Elon Musk twitterte, dass die Nutzlastverkleidung möglicherweise gar nicht an Bord des Bergungsschiffs "Mr. Steven" landen muss, um wiederverwendet werden zu können. Auch nach den bisherigen Wasserlandungen waren die Verschalungen in gutem Zustand.

Dazu ein Video von einem Test, bei dem der Auffangversuch nur um Haaresbreite misslang:



Hexenjagd bei der NASA

Anscheinend ist man bei der Raumfahrtbehörde nicht mit den Problemen um SLS und Orion ausgelastet. Jedenfalls war man dort angeblich so empört über Musks Auftritt in der Show von Joe Rogan, bei der er an einem Whisky nippte und es tatsächlich wagte, einmal an einem Joint zu ziehen (ohne zu inhalieren), dass es dazu nun eine offizielle und sehr tiefgreifende Untersuchung geben soll (einschließlich Befragung von SpaceX-Mitarbeitern). Ob es den Verantwortlichen bei der NASA tatsächlich darum geht, die Sicherheit ihrer Astronauten zu gewährleisten oder darum, die eigene blamable Leistung zu kaschieren (Orion seit 2005 in der Entwicklung, SLS um mindestens fünf Jahre verspätet), sei dahingestellt. Leider ist es möglich, dass sich durch dieses Politikum der erste bemannte Start mit Falcon 9/Dragon erneut verzögert. Derzeit ist ein unbemannter Test des Systems, bei dem ein Abbruch während des Flugs (einschließlich Sprengung der Trägerrakete) erprobt werden soll, für nächsten Monat geplant.

Die Dragon-Crewkapsel bei Tests auf der Startrampe (Bild: SpaceX)

FCC-Genehmingung für Starlink-Satelliten, Entlassungen am Starlink-Standort

SpaceX hat für sein Internet-Satelliten-Projekt von der amerikanischen Regulierungsbehörde für den Kommunikationsmarkt die Genehmigung für weitere 7518 Satelliten erhalten. Bereits im März hatte es grünes Licht für 4425 Satelliten gegeben. Im Februar wurden zwei Starlink-Testsatelliten, Tintin A&B, ins All gebracht, die die Erwartungen voll erfüllten. Derweil ist Elon Musk offensichtlich mit dem bisherigen Fortschritt am Projektstandort in Redmond unzufrieden; mehrere Manager wurden von ihm persönlich gefeuert.
Die Satellitenkonstellation wird frühestens 2020 den Betrieb aufnehmen.

InSight-Landung

Nach dem Mars-Rover Curiosity im Jahr 2011 ist die NASA erneut mit einer Sonde auf dem roten Planeten gelandet. Am 26. November erreichte die InSight-Mission nach einem halben Jahr Flugzeit den Mars. Die Landung erfolgte mit Hilfe von Fallschirmen und Bremsraketen. Die Sonde soll den inneren Aufbau des Planeten erforschen.

Die Insight-Sonde auf der Marsoberfläche (Bild: NASA)

Virgin Galactics erster "Raumflug"

Nach jahrelangen Verzögerungen hat es das Weltraumtourismus-Unternehmen von Milliardär Richard Branson endlich geschafft, mit seinem Raumflugzeug einen suborbitalen Raumflug durchzuführen. Gemeinhin wird eine Höhe von 100 Kilometern als Grenze zum Weltraum betrachtet, die so genannte Karman-Linie. Diese Marke erreichte Virgin Galactic nicht ganz. Trotzdem zeigt der Test, dass das Projekt wohl doch noch den kommerziellen Betrieb aufnehmen wird, wenn auch viel später als ursprünglich geplant.