Montag, 7. Juni 2021

US-Militär interessiert sich für Starship, Axiom Space und SpaceX planen kommerzielle Missionen zur ISS

Das vollständig wiederverwendbare Starship-Trägersystem von SpaceX könnte in einigen Jahren vom US-Militär genutzt werden, um damit innerhalb kürzester Zeit Fracht an Einsatzorte zu tranportieren. Starship, kombiniert mit seinem Super Heavy genannten Booster, kann jeden Punkt auf der Erdoberfläche innerhalb einer Stunde erreichen, auch die Starship-Oberstufe allein könnte sich für kürzere Flüge von einigen tausend Kilometern eignen.

Es gab in der vergangenen Jahren hin und wieder bereits Äußerungen von Militärs, die auf ein derartiges Interesse hinwiesen, doch nun wird dafür zum ersten Mal eine größere Menge Geld in die Hand genommen. Der Haushaltsentwurf für 2022 sieht 48 Millionen Dollar im Air Force-Budget vor, um eine solche Anwendung näher zu untersuchen. Das Geld wird nicht direkt an interessierte Unternehmen gehen. Wobei zum derzeitigen Zeitpunkt ohnehin nur SpaceX und vielleicht noch Blue Origin in Frage kämen, um die Anforderungen zu erfüllen.

 

Konzeptgrafik der Air Force. Eine auffällige Ähnlichkeit mit Starship ist nicht zu übersehen.

SpaceX hatte bereits in der Vergangenheit die Möglichkeit ins Spiel gebracht, Starship für schnelle Passagierflüge zu nutzen. Auch der Einsatz für private Logistikunternehmen wie FedEx oder DHL wäre denkbar und würde wohl in der Anfangszeit mehr Sinn machen, um die Verlässlichkeit und Sicherheit eines solchen Systems soweit zu verbessern, dass sie den Standards im heutigen Luftverkehr zumindest nahekämen.

 

Axiom bucht drei weitere Flüge mit Falcon 9/Dragon

Das private Unternehmen Axiom Space plant ab 2024 den Bau einer eigenen privaten Raumstation im Orbit. Zuerst an die ISS angedockt, soll die Station ab 2028 selbstständig betrieben werden.

Anfang 2022 soll die erste vollständig private Mission zur ISS starten, genannt Ax-1. Drei Privatpersonen und ein ehemaliger NASA-Astronaut werden dafür an Bord einer Dragon-Kapsel von SpaceX ins All starten. Axiom hat nun bekanntgegeben, dass man noch einmal drei Flüge bei SpaceX für weitere derartige Missionen reserviert hat. 

Zusammen mit der "Inspiration4"-Mission in die Erdumlaufbahn dieses Jahr und dem Mondflug des japanischen Milliardärs Maezawa, derzeit geplant für 2023 mit Starship, entwickelt sich SpaceX so zu einem der wichtigsten Unternehmen auch in Sachen Weltraumtourismus. 

 

So könnte die Axiom-Raumstation einmal aussehen (Bild: Axiom Space)



Montag, 24. Mai 2021

Politischer Streit um Bau des Mondlanders geht weiter, Virgin Galactic gelingt der dritte suborbitale Raumflug

Der höchst umstrittene, von Senatorin Cantwell eingebrachte Zusatz, der von Beobachtern als nur allzu offensichtliche Einflussnahme zu Gunsten von Blue Origin angesehen wird, wurde modifiziert. Nun wäre der Auftrag für SpaceX zumindest geschützt, auch wenn die NASA gezwungen würde, ein weiteres Unternehmen unter Vertrag zu nehmen. Außerdem soll die Raumfahrtbehörde nun 60 (statt 30) Tage Zeit bekommen, um den Wünschen der Politiker in dieser Frage nachzukommen. Es ist aber weiterhin unklar, was geschehen würde, wenn die NASA zwar zwei Firmen mit Aufträgen versorgen müsste, dafür aber nicht die entsprechenden Gelder erhielte. Denn die Zuteilung von finanziellen Mitteln geschieht erst in einem späteren Schritt. 

Es ist auch weiterhin unklar, ob es der Cantwell-Zusatz überhaupt in die finale Version des Gesetzestextes schafft, über den sich Senat und Repräsentantenhaus erst noch verständigen müssen.

Derweil hat SpaceX seine Lobbyisten aktiviert und diesen Flyer im US-Kongress verteilt:

 


Die Reaktion von Blue Origin ("Hat Elon Musk Angst vor ein wenig Wettbewerb?") ist dagegen weitgehend faktenfrei: Es gab einen Wettbewerb und diesen hat Blue Origin verloren. 

Leider scheint Jeff Bezos nicht daran interessiert, sein Raumfahrtunternehmen großzügiger als bisher mit eigenen finanziellen Mitteln zu unterstützen. Statt dessen soll das der US-Steurzahler leisten. Dabei sollte man stets im Hinterkopf behalten, dass Blue Origin vor mehr als 20 Jahren gegründet wurde und es bis heute nicht geschafft hat, die Erdumlaufbahn zu erreichen. Es ist also einigermaßen fraglich, ob finanzielle Unterstützung für Blue Origin überhaupt als sinnvolle Investition angesehen werden kann.

 

Virgin Galactic meldet sich zurück

Erfreulicher sind da die Neuigkeiten zu Richard Bransons Weltraumtourismus-Unternehmen Virgin Galactic. Seit 2004 laufen die Entwicklungsarbeiten an dem kleinen suborbitalen Raumgleiter SpaceShipTwo. Nach tödlichen Zwischenfällen in den Jahren 2007 und 2014 sah es zeitweise schon so aus, als wäre das Projekt zum Scheitern verurteilt. Doch am 22. Mai gelang es nun nach über zwei Jahren Pause ein drittes Mal, bei einem bemannten Testflug den Weltraum zu erreichen. Genauer stieg SS2 auf eine Höhe von 89 Kilometern, was man mit etwas gutem Willen als Raumflug werten kann (auch wenn die gängige Definition eine Mindestflughöhe von 100 Kilometern vorgibt). Vier weitere Flüge sind für dieses Jahr geplant und möglicherweise wird es in naher Zukunft auch die ersten zahlenden Weltraumtouristen an Bord geben.

 




Sonntag, 16. Mai 2021

Unterlegene SpaceX-Konkurrenten geben nicht auf – jetzt soll es die Politik für sie richten

Nachdem das von Blue Origin angeführte "National Team" (bestehend des Weiteren aus Lockhheed Martin, Northrop Grumman und Draper) sowie Dynetics bei der Auftragsvergabe für den neuen Mondlander im April leer ausgegangen waren, hatten beide Firmen bereits formal Protest gegen die Entscheidung der NASA für SpaceX eingelegt; dieser wird noch vom unabhängigen General Accounting Office geprüft. Doch offensichtlich will man auch anderweitig nachhelfen, um doch noch an einen Auftrag zu kommen, auch gegen den Willen der NASA.

Am 12. Mai wurde von Senatorin Maria Cantwell ein Zusatz zu einem geplanten Gesetz eigebracht, das die technologische und wissenschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der USA erhalten und stärken soll (Endless Frontier Act). Und dieser Zusatz hat es in sich: Er schreibt der NASA explizit vor, dass mindestens zwei Firmen einen Auftrag zum Bau einer Mondfähre erhalten müssen (statt wie jetzt mit SpaceX nur ein Unternehmen). Das soll angeblich den Wettbewerb stärken, doch es ist offensichtlich, dass es hier vielmehr darum geht, den unterlegenen Konkurrenten von SpaceX auf dem Umweg über politische Einflussnahme doch noch einen fetten Regierungsauftrag zu verschaffen: Senatorin Cantwell sitzt seit 20 Jahren für den US-Bundesstaat Washington im US-Senat – hier hat Jeff Bezos' Firma Blue Origin ihr Hauptquartier.

Wie es jetzt weitergeht, ist unklar. Der Zusatz schreibt eine Auftragsvergabe binnen 30 Tagen nach Inkrafttreten vor. Das würde wohl unweigerlich zu einem Protest von SpaceX und dem erneut unterlegenen Unternehmen führen. Eine komplette Neuausschreibung würde außerdem deutlich länger als 30 Tage dauern.

Noch ist der Zusatz nicht Gesetz. Dazu müssen sich erst Senat und Repräsentantenhaus auf eine gemeinsame Version einigen, die dann vom Präsidenten unterschrieben wird. Es bleibt also noch Hoffnung, dass es bei der ursprünglichen Entscheidung für SpaceX bleibt. 

Allerdings gilt der neue NASA-Chef Bill Nelson als guter Freund des Establishments. Und auch die Ankündigung, dass die Politikerin Kendra Horn, die sich in der Vergangenheit für ein staatlich geführtes Mondprogramm eingesetzt hat, nun Vorsitzende des National Space Council werden soll, stimmt nicht gerade optimistisch. 



Freitag, 7. Mai 2021

SN15 schafft die Landung

Nach vier Fehlschlägen in Folge hat SpaceX mit dem Starship-Protoypen SN15 zum ersten Mal eine erfolgreiche Landung der neuen Riesenrakete demonstriert. Zuvor waren SN8 und SN9 am Boden zerschellt, SN10 war einige Minuten nach einer sehr unsanften Landung explodiert und SN11 zerlegte es in einigen Hundert Metern Höhe zu Beginn des Landemanövers. SN 12-14 wurden nie fertig gestellt, da der in vielen Details verbesserte Nachfolger SN15 bereits einsatzbereit war. 



Die geglückte Landung dürfte SpaceX eine Menge Rückenwind geben in der Frage, ob die Auftragsvergabe für die Entwicklung des neuen NASA-Mondlanders an das Unternehmen rechtens war. Die bei der Ausschreibung unterlegenen Konkurrenten Dynetics und das National Team (bestehend aus Blue Origin, Lockheed Martin, Northrop Grumman und Draper) haben eine Beschwerde eingereicht, die nun vom GAO (General Acconting Office, entspricht etwa dem deutschen Bundesrechnungshof) geprüft wird. So lange dieses Verfahren läuft, ruhen die Arbeiten an dem Projekt. Jedenfalls solche, für die die NASA bezahlt. Natürlich entwickelt SpaceX die Starship-Rakete, die die Grundlange für ihren Mondlander bildet, auf eigene Rechnung auch in dieser Zeit weiter. Denn das langfristige Ziel von Elon Musk ist bekanntlich der Mars und nicht der Mond.



Sonntag, 25. April 2021

SpaceX-/NASA-Update

SpaceX soll neue Mondlandefähre entwickeln

Für viele überraschend hat sich die NASA bei der Auftragsvergabe für den Bau des neuen Mondlander für SpaceX entschieden. Und zwar allein für SpaceX: die beiden Konkurrenten Dynetics und das so genannte "National Team" (bestehend aus Blue Origin, Lockheed Martin und Draper) gehen komplett leer aus (Boeing war bereits in der Vorrunde ausgeschieden). Die NASA begründete das u.a. mit den sehr viel geringeren Kosten des SpaceX-Vorschlags und bewertete auch das Management und die technischen Aspekte besser als bei den Mitbewerbern.

Der Entwurf von SpaceX (Bild: NASA/SpaceX)

 Die folgende Übersicht veranschaulicht den Entscheidungsprozess sehr gut:

 



SpaceX wird 2,9 Milliarden Dollar für die Entwicklung erhalten. Musk ist optimistisch, dass das ursprünglich anvisierte Ziel einer bemannten Rückkehr zum Mond bis 2024 eingehalten werden kann.

Für Jeff Bezos Firma Blue Origin ist die Entscheidung ein weiterer herber Rückschlag, nachdem erst vor kurzem bekannt wurde, dass die New Glenn-Trägerrakete wohl nicht vor 2023 einsatzbereit sein wird. Ursprünglich hatte man 2020 als Ziel ausgegeben. Obwohl Blue Origin tatsächlich ein paar Jahre vor SpaceX gegründet wurde, hat es das Unternehmen bis heute nicht geschafft, die Erdumlaufbahn zu erreichen.

 

Testflüge von SN9/SN10/SN11

SpaceX führt seine Testkampagne für die Entwicklung des Starship-Trägersystems mit unvermindertem Tempo fort. Am 2. Februar, 3. März und 30. März hoben jeweils die aktuellen Prototypen zu ihren Testflügen ab. Dabei kam SN10 einem Erfolg bislang am nächsten. Die Landung fiel zwar etwas hart aus und acht Minuten nach dem Aufsetzen explodierte der Prototyp dann doch noch. SN9 (explodierte beim Aufprall, nachdem eines der drei Raptor-Triebwerke nicht gezündet hatte) und SN11 (explodierte noch in der Luft, unmittelbar nach Beginn des Landemanövers) hatten allerdings noch weniger Glück.



 

Starlink

Auch der Aufbau der Starlink-Satellitenkostellation geht voran. Seit Jahresbeginn hat SpaceX mit wiederverwendeten Falcon 9-Boostern neun entsprechende Missionen duchgeführt und dabei insgesamt 540 weitere Satelliten in ihre Umlaufbahnen gebracht. Insgesamt wurden bislang 1445 Starlink-Satelliten ins All transportiert. Die Konstellation soll voll ausgebaut einmal 12.000 Satelliten umfassen (mit der Option auf weitere 30.000 Satelliten zu einem späteren Zeitpunkt).

 

Crew 2-Mission erfolgreich zur ISS gestartet

Nach der ersten bemannten Demomission und der Crew 1-Mission im letzten Jahr hat SpaceX am 23. April erneut vier Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS transportiert. Neben zwei US-Astronauten waren auch zwei internationale Passagiere an Bord der Dragon-Kapsel: Akihiko Hoshide von der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA und mit dem Franzosen Thomas Pesquet von der ESA der erste Europäer auf einem SpaceX-Flug.


 

Die erste Stufe der Falcon 9-Rakete war bereits bei der Crew 1-Mission im November letzen Jahres zum Einsatz gekommen und mit der Dragon-Kapsel waren bereits die Astronauten Behnken und Hurley bei ihrer Demomission zur ISS geflogen.

Boeing hat nach seinem missglückten unbemannten Starliner-Testflug im Dezember 2019 immer noch nicht die nötige Wiederholung dieser Mission absolviert. Erst danach wären bemannte Missionen möglich.

 

Erste vollständig private Mission in die Umlaufbahn

Im Februar wurde die "Inspiration4"-Mission angekündigt. Der Unternehmer Jared Isaacman kauft dafür vier Plätze für sich und drei weitere, von ihm ausgewählte Personen an Bord der Dragon-Kapsel. Frühestens Ende es Jahres sollen die vier zu einem mehrtägigen Raumflug aufbrechen. Ein Stop an der ISS ist nicht geplant. SpaceX wird Dragon speziell für diese Mission mit einer transparenten Beobachtungskuppel ausrüsten, was den Passagieren eine spektakuäre Aussicht auf die Erde ermöglichen wird.

Dragon-Kapsel in der Erdumlaufbahn (Bild: SpaceX/Inspiration4)

 

Wiederholung von SLS-Test erfolgreich

Im zweiten Anlauf ist es der NASA gelungen, die Kernstufe der neuen SLS-Rakete über die volle Missionsdauer von acht Minuten am Boden zu testen. Damit könnte der Erstflug mit viel Glück noch Ende dieses Jahres erfolgen.



Nelson wird neuer NASA-Chef

Nachdem der von Trump eingesetze NASA-Chef Bridenstine bereits im Januar seinen Posten niedergelegt hat, wird aller Wahrscheinlichkeit nach Bill Nelson, ehemaliger Senator aus Florida, sein Nachfolger. Derzeit wird die Raumfahrtbehörde übergangsmäßig von Steve Jurczyk geleitet. 

Nelson hatte sich in der Vergangenheit wiederholt sehr kritisch über die verstärkte Einbeziehung privater Unternehmen wie SpaceX geäußert und einen staatlichen Ansatz favorisiert. Mittlerweile scheint er aber die Zeichen der Zeit erkannt und seine (öffentliche) Meinung geändert zu haben. Zumindest ließ er bei seiner Anhörung vor dem US-Kongress nicht die Absicht erkennen, die Entscheidung der NASA für SpaceX (für den Bau des Mondlanders) zu revidieren, auch wenn es Politiker gibt, die genau das fordern.

 

Sonntag, 17. Januar 2021

SN8/SN9/Super Heavy/SLS

SN8-Test

Am 9. Dezember gelang SpaceX mit einem seiner Starship-Prototypen erstmals ein Testflug in große Höhe. SN8 stieg langsam bis auf eine Höhe von 12,5 Kilometern und schaltete dabei ein Raptor-Triebwerk nach dem anderen aus, um den Schub zu verringern. Daraufhin fiel das Vehikel in "Bauchlage" zur Erde zurück, wobei es über die Bug- und Heckflossen stabilisiert wurde. In geringer Höhe über dem Startkomplex wurden die drei Triebwerke erneut gezündet, um SN8 für das Landemanöver wieder in die Vertikale zu bringen. Unglücklicherweise war der Druck in einem der Tanks zu gering, was dazu führte, dass eines der Triebwerke auf den letzten Metern nicht mehr die erforderliche Leistung liefern konnte und der Prototyp im Moment des Aufpralls explodierte. 

 


 

Dennoch kann der Test als Erfolg angesehen werden, da gleich beim ersten Versuch die Aufstiegs- und vor allem die neuartige Abstiegsphase in der Horizontalen erfolgreich verliefen. Und da SpaceX seine Starship-Prototypen quasi am Fließband produziert, ist es hinnehmbar, wenn ein besonders ehrgeiziger Test hin und wieder in einem Feuerball endet: ein halbes Dutzend neuer Testvehikel sind bereits in Arbeit.

 

Musks neue Idee für Super Heavy

Auch die Super Heavy genannte erste Stufe (oder Booster) des Starship-Trägersystems nimmt seit einiger Zeit Gestalt an. Ein erster Prototyp wird derzeit in der so genannten high bay (ein gut 80 Meter hoher Hangar auf dem SpaceX-Gelände in Boca Chica, Texas) aus Ringsegmenten zusammengesetzt, ähnlich wie die Starship-Prototypen. Dieser Booster erfüllt die gleiche Funktion wie die erste Stufe der Falcon 9: die Oberstufe aus der Erdatmosphäre hinauszutragen und auf eine Geschwindigkeit von meheren tausend Stundenkilometern zu bringen, um anschließend an Land oder auf einer Seeplattform zu landen. Super Heavy ist allerdings eine Nummer größer: der Booster allein ist mit einer Höhe von ca 70 Metern in etwa so hoch wie die gesamte Falcon 9-Rakete.

Bisher sollte Super Heavy auf Landebeinen oder Kufen landen, ähnlich wie die Falcon-Hauptstufe. Auch die Idee, punktgenau auf einer dafür vorgesehenen Vorrichtung am Startturm zu landen (was Landebeine überflüssig machen würde), wurde bereits 2016 vorgestellt, schien dann aber nicht weiter verfolgt worden zu sein. Doch Musk ist bekanntlich immer für eine Überraschung gut und verkündete vor ein paar Wochen auf Twitter, man wolle den Booster nun mit dem Startturm an seinen seitlich angebrachten Gitterflossen (grid fins, diese dienen zur Steuerung beim Wiedereintritt in die Atmosphäre) "auffangen". Seitdem gibt es zahlreiche Spekulationen, wie man sich das konkret vorzustellen hat, doch da das eigentlich angekündigte große Info-Update zum Starship-Projekt letztes Jahr ausfiel, wird es wohl noch etwas dauern, bis es offizielles Bildmaterial dazu gibt.


SN9-Status

Der nächste Starship-Prototyp absolvierte am 13. Januar gleich drei Testzündungen innerhalb weniger Stunden. Anscheinend wurden dabei zwei der drei Triebwerke leicht beschädigt und mussten ausgetauscht werden. Vor dem geplanten Flug wird es daher wohl mindestens eine weitere Testzündung geben. Wann diese stattfinden wird, ist derzeit unklar. Der normalerweise ausgezeichnete Journalist Eric Berger schrieb auf Twitter, er rechne nicht mehr mit einem Start noch im Januar.

 

SN9 auf dem Testgelände in Texas (Bild: RGV Aerial Photography)


SLS-Projekt erleidet Rückschlag

Bei dem jahrelang vorbereiteten "green run"-Test für die neue Riesenrakete der NASA, das SLS (Space Launch System) hat es am gestrigen Samstag offenbar eine schwerwiegende Panne gegeben. Die geplante Testzündung am Boden sollte eigentlich über die volle Flugdauer von acht Minuten während einer realen Mission laufen. Stattdessen war nach 67 Sekunden Schluss. Die genaue Ursache ist noch unklar, es scheint aber ein Problem mit einem der vier (noch aus dem Shuttle-Programm stammenden) SSME-Triebwerke gegeben zu haben.

 

Der wichtigste Test des SLS-Projekts bislang endet mit einem vorzeitigen Abbruch (Bild: NASA)
 

Das SLS-Projekt liegt mittlerweile fast fünf Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück und der Jungfernflug wird sich nach diesem Misserfolg wohl noch weiter verschieben. Währenddessen wird das Starship-Projekt von SpaceX immer konkreter, welches sowohl in der Entwicklung als auch im Betrieb um ein Vielfaches günstiger ist. 

Es ist nicht davon auszugehen, dass das Thema Raumfahrt für die kommende Biden-Regierung Priorität hat, aber die Chancen für ein vorzeitiges Aus des SLS-Programms, noch vor dem ersten Start, sind nach dem verpatzten Testlauf wohl deutlich gestiegen.