Mittwoch, 18. März 2020

Starlink 5-Mission erfolgreich – erneut Probleme mit der ersten Stufe

SpaceX hat heute erneut einen Satz von 60 Starlink-Satelliten in eine Erdumlaufbahn gebracht. Eine Falcon 9 Block 5-Trägerrakete wurde hierfür zum vierten Mal wiederverwendet, es war also bereits ihr fünfter Flug. Dieses Exemplar (B1048) hält damit den Rekord.

Leider klappte die Landung der ersten Stufe nicht, wie schon bei der letzten Starlink-Mission im Februar (die Landung während der Dragon-Mission zur ISS Anfang März war dagegen erfolgreich). Zudem fiel eines der neun Merlin 1D-Triebwerke auf der ersten Stufe während des heutigen Fluges aus (Falcon 9 ist in der Lage, trotzdem die anvisierte Umlaufbahn zu erreichen). Musk kündigte bereits eine Untersuchung an.

Ob sich hier erste Verschleißerscheinungen der mehrmals wiederverwendeten Hauptstufe zeigen, auf die diese Probleme zurückzuführen sind, ist noch offen.



Starship-Update

Nachdem ein Betankungs- und Drucktest mit Starship SN1 Ende Februar spektakulär gescheitert war, bestand der Haupttank des Nachfolgers SN2 diese Prüfung weniger als zehn Tage später. Es scheint aber nicht so, als wenn SN2 noch fertiggestellt würde. Stattdessen werden einzelne Komponenten nun für den nächsten Prototypen, SN3, verwendet.

Dieser nimmt immer mehr Gestalt an. Wahrscheinlich werden die einzelnen Segmente (s. unten) in den nächsten Tagen zusammengesetzt. Musk teilte gestern auf Twitter mit, dass das Design der neuen Trägerrakete sich derzeit rapide weiterentwickle. Man scheint nun zu versuchen, das Tankvolumen weiter zu vergrößern, ohne die äußeren Dimensionen von Starship zu verändern, indem man die Triebwerke ganz oder zum größten Teil in den Tanks unterbringt, sowie die Rundung der Tanks an ihrem Anfang und Ende abflacht. Auch die Landebeine sollen vergrößert werden. Für SN3 spielt das aber wohl noch keine Rolle.

Derzeitiger Stand von SN3 (Grafik von Rafael Adamy)


Dienstag, 3. März 2020

Zweiter Starship-Prototyp bei Test zerstört

Nach Mk1 hat es nun auch SN1 erwischt: Bei einem Drucktest am vergangenen Samstag ging der zweite Starship-Prototyp von SpaceX, wie schon sein Vorgänger, in die Brüche. Tatsächlich sah das Ganze diesmal noch etwas spektakulärer aus:


Zum Vergleich Mk1 am 20. November 2019:


Zum Glück ist SN2 bereits in Arbeit (Mk2 wurde nicht weiter verfolgt). Dazu ein aktuelles Bild aus Boca Chica:

Bild: Elon Musk/SpaceX





Wie man sieht, ist auch der highbay genannte Hangar mittlerweile fast fertig gestellt. SN2 soll eine noch höhere Konstruktionsqualität haben. Ob es diesmal ausreicht, wird der nächste Drucktest zeigen. Laut Musk soll SN2 dafür so schnell wie möglich zur Verfügung stehen; alle dafür nicht benötigten Komponenten werden vorerst ausgespart.


Donnerstag, 27. Februar 2020

So könnte SpaceX den historischen Starkomplex 39A weiterentwickeln

In einem FAA-Dokument vom 21. Februar finden sich neue offizielle Renderings von SpaceX, die zeigen, wie sich Pad 39A in Florida in Zukunft weiterentwickeln könnte. Von dort starteten bereits die Apollo-Mondmissionen und die Space Shuttles der NASA. 2014 übernahm SpaceX den Komplex.


Bilder: SpaceX/FAA

Zu sehen ist eine neue mobile Anlage, die es ermöglichen würde, Nutzlasten auf der Rakete zu installieren, wenn diese bereits senkrecht auf der Startrampe steht (vertical integration). Das ist insbesondere für militärische Nutzlasten relevant, da diese oft darauf angewiesen sind, SpaceX einen solche vertikale Nutzlast-Integrierung zur Zeit aber nicht leisten kann. Auch die gestreckte Nutzlastverkleidung (zu sehen auf dem ersten Bild) lässt darauf schließen, dass SpaceX auf weitere Aufträge des Militärs für seine Falcon Heavy-Rakete hofft und dieses Modell noch nicht völlig zugunsten des neuen Starship abgeschrieben hat.


Dienstag, 18. Februar 2020

SpaceX und Space Adventures planen Flüge für Weltraumtouristen

Das amerikanische Unternehmen Space Adventures, mit dessen Hilfe bereits Dennis Tito 2001 als erster Weltraumtourist zur ISS flog, kündigt in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung an, in den nächsten Jahren zahlende Passagiere an Bord von SpaceX' Dragon-Kapsel in die Erdumlaufbahn schicken zu wollen. Die Flüge sollen eine Höhe vergleichbar den Gemini-Missionen erreichen (vermutlich ca. 1000 Kilometer) und bis zu fünf Tage dauern. Ein Besuch der ISS ist nicht vorgesehen.


Zu Ticketpreisen und möglichen Interessenten ist noch nichts bekannt. Der erste Flug könnte frühestens Ende 2021 stattfinden, also in ca. zwei Jahren.

SpaceX plant bereits eine bemannte Mondumrundung mit dem japanischen Milliardär Yusaku Maezawa für Mitte der 20er Jahre. Dabei soll allerdings schon das neue Trägersystem Starship zum Einsatz kommen.

Starship-Update, Starlink 4

Die Arbeiten am SpaceX-Standort in Boca Chica, Texas, gehen weiter zügig voran. Mittlerweile wurde damit begonnen, größere Rumpfteile des Raumschiffs aufeinanderzusetzen, die ihrerseits aus mehreren Ringsegmenten zusammengefügt sind. Die folgende Grafik veranschaulicht den aktuellen Konstruktionsstatus:

Bilder von LabPadre und BocaChicaGal, zusammengefügt von Reddit-Nutzer fael097


Der Unterscheid in der Konstruktionsqualität zwischen altem (vorn) und neuem Prototypen (hinten) ist auf diesen Aufnahmen gut zu erkennen (Bilder: LabPadre)

Ganz ausgereift ist der Prozess aber noch nicht, wie man auf in diesem Video sieht:


Stahl hat den Vorteil, dass eine solche Delle eventuell noch nachträglich beseitigt werden kann. Robert Zubrin, der vor kurzem in Boca Chica war, berichtete in einem Interview, dass SpaceX plant, dort eine Art Schiffswerft zu errichten, die vielleicht einmal ein Starship pro Woche produzieren kann. Der gegewärtige Prozess ist also noch sehr provisorisch, frei nach dem Motto "learning by doing".

Starlink 4

Erneut wurden 60 Starlink-Satelliten der ersten Generation in ihre Umlaufbahn transportiert.  Allerdings ging die geplante 50. Landung einer Falcon 9-Hauptstufe schief: Der Booster landete nur ein paar Meter entfernt von der Seeplattform im Atlantik. Die Ursache steht noch nicht fest.



Freitag, 14. Februar 2020

Trump-Regierung beantragt deutliche Budgeterhöhung für die NASA

Die Raumfahrtbehörde bekommt mit dem Budgetantrag Rückenwind für das ihr von Trump auferlegte Ziel einer bemannten Mondlandung im Jahr 2024. Um ganze 12 Prozent soll das NASA-Budget für 2021 gegenüber dem für 2020 liegen. Insgesamt soll die NASA nächstes Jahr 25,2 Milliarden Dollar erhalten. Darin enthalten sind 3,4 Milliarden für die Entwicklung eines Mondlanders. Interessant auch, dass die Weiterentwicklung des SLS-Trägers mit der so genannten Exploration Upper Stage/EUS, für die Boeing seit geraumer Zeit massiv Lobbyarbeit leistet, in dem Budget explizit auf die lange Bank geschoben wird; die EUS sei für bemannte Mondmissionen nicht erforderlich. Möglicherweise wird hier bereits das absehbare Ende von SLS durch günstigere und leistungsfähigere Träger wie Starship und New Glenn vorweggenommen.

Vergleich zwischen ICPS und EUS. Ob letztere jemals gebaut wird, ist ungewiss (Bild: NASA)

Inwieweit der Budgetvorschlag der Regierung Chancen auf Verwirklichung hat, bleibt abzuwarten. Im demokratisch dominierten Repräsentantenhaus sind Trumps Mondpläne bislang auf große Skepsis und Ablehnung gestoßen. Im von den Republikanern gehaltenen Senat sieht es besser aus. Letztlich müssen sich beide Kammern auf einen Kompromiss verständigen. Wer sich dabei eher durchsetzt, ist offen.

Missionsplan für Artemis III im Jahr 2024 (Bild: NASA, anklicken zum Vergrößern)


Die Evolution von Starship, 2016–2020

Der finnische 3D-Grafiker Kimi Talvitie hat ein interessantes Rendering aller bisherigen Designiterationen von Starship erstellt.

Von links nach recht: ITS (Sept. 2016), BFR (Sept. 2017), BFR (Sept. 2018), Starhip (Dez. 2018), Starhip (Sept. 2019)