Dienstag, 21. November 2017

Update SpaceX/Blue Origin

Hier ein paar berichtenswerte Entwicklungen in Sachen SpaceX und Blue Origin:

 Erste erfolgreiche Testzündung des BE4-Triebwerks von Blue Origin im Oktober

Nach einem Fehlschlag im Mai dieses Jahres konnte die Firma von Amazon-Gründer Jeff Bezos nun einen wichtigen Erfolg bei der Entwicklung des methangetriebenen Raketenmotors verbuchen. Zum ersten Mal wurde das Triebwerk erfolgreich gezündet, wenn auch nur für eine Dauer von drei Sekunden und bei 50% Leistung. Dennoch beweist Blue Origin damit, dass man damit rechnen kann, dass die Entwicklungsarbeiten erfolgreich abgeschlossen werden und das Triebwerk sowohl für die geplante Vulcan-Rakete von ULA als auch für das von Blue Origin selbst geplante New Glenn-Trägersystem zum Einsatz kommen wird.

Testzündung von BE4 am 18. Oktober 2017 (Bild: Blue Origin)


SpaceX rechnet mit finanzieller Unterstützung für Entwicklung von BFR/BFS

Auf der NewSpace Europe Konferenz in Luxemburg sagte SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell, dass man davon ausgehe, bei der Entwicklung des neuen Schwerlast-Trägersystems BFR Unterstützung von staatlicher Seite zu erhalten, auch wenn man darauf nicht angewiesen sei. Vor allem die US Air Force käme als Geldgeber in Frage. Bereits jetzt erhält SpaceX gut 70 Millionen Dollar für die Entwicklung des Raptor-Triebwerks von der Air Force. Außerdem gibt es ein USAF-Projekt, das letzlich einen Ersatz für die Atlas V von ULA mit ihren russischen RD-180-Triebwerken hervorbringen soll. Mehrere Teams sollen Prototypen bis zur Durchführung erster Testflüge entwickeln. SpaceX wird sich dafür mit dem BFR-System bewerben und kann sich wohl gute Chancen ausrechnen, zu den Gewinnern zu gehören. BFR wäre vor allem im Hinblick auf besonders schwere Nutzlasten der Air Force in den 2020er Jahren eine interessante Option.

BFR-Booster mit BFS an der Spitze (Bild: SpaceX)

Shotwell sagte auch, dass sie eine Beteiligung von SpaceX an einem neuen Mondprogramm der Regierung erwarte. Derzeit sieht es so aus, als ob die Trump-Regierung eine bemannte Rückkehr zum Mond als neues Hauptziel für die NASA ausgeben wird.

Zuma-Mission mit geheimer Nutzlast verzögert sich

Ursprünglich sollte eine Falcon 9 die mysteriöse Fracht bereits vor einigen Tagen ins All befördern. Doch anscheinend gibt es Probleme mit der Nutzlastverkleidung. Die Falcon-Rakete wurde bereits zurück in den Hangar gerollt und wird nun frühestens im Dezember starten. Worum es sich bei "Zuma" handelt, ist geheim. Bekannt ist lediglich, dass die Nutzlast von einer Regierungsbehörde kommt.


Samstag, 30. September 2017

SpaceX stellt überarbeiteten Marsplan vor

Elon Musk hat auf dem gerade zu Ende gegangenen IAC in Adelaide, Australien, die aktuellen Pläne seiner Firma für bemannte Marsmissionen vorgestellt. Am Ende gab es noch eine echte Überraschung.

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Musk zum ersten Mal eine Missionsarchitektur für bemannte Flüge zum Roten Planeten, und letztlich seine Besiedlung, der Öffentlichkeit präsentiert. Nun gab es ein Update: Der neue Plan ist etwas weniger grandios, dafür wohl realistischer.

BFR

Die 2016 unter der Bezeichnung ITS (Interplanetary Transport System) vorgestellte Riesenrakete ist geschrumpft und trägt nun wieder den ursprünglichen Namen BFR (Big F*cking Rocket bzw. offiziell Big Falcon Rocket). Der Durchmesser wurde von zwölf auf neun Meter reduziert, die Länge von 122 auf 106 Meter. Die Zahl der Raptortriebwerke wurde entsprechend verringert und ein Deltaflügel am Heck der zweiten Stufe verändert das äußere Erscheinungsbild leicht. BFR sieht dem ITS aber immer noch sehr ähnlich.

BFR-Oberstufe (Bild: SpaceX)

Die Nutzlastkapazität halbiert sich im Vergleich zum ITS: statt 300 Tonnen (voll wiederverwendbar) bzw. 500 Tonnen (Einweg) für das ITS in eine niedrige Erdumlaufbahn sind es nun immerhin noch 150 bzw. 250 Tonnen. Damit würde die überarbeitete BFR immer noch alle anderen bislang gebauten bzw. geplanten Träger ausstechen, einschließlich Saturn V und SLS (diese sind außerdem nicht wiederverwendbar).

Die BFR-Oberstufe wird ein Volumen größer als das eines A380 haben und damit ca. 100 Menschen Platz bieten, verteilt auf 40 Kabinen. Dazu kommen Gemeinschaftsräume.

Es wird verschiedene Varianten geben: Crew, Frachter und Tanker.

Das BFR-System wird natürlich vor allem für das langfristige Ziel von SpaceX, eine Marskolonie zu gründen, entwickelt. Es ließe sich damit aber auch eine Mondbasis realisieren. Die Oberstufe könnte nach einer Betankung im Erdorbit auf der Mondoberfläche landen und zurück zur Erde starten. Bei Marsmissionen wäre neben der erneuten Betankung im Weltraum vor Abflug auch die Nutzung von lokalen Ressourcen auf dem Mars nötig: Aus dem dort vorhandenen Wasser sowie dem Kohlendioxid in der Atmosphäre ließen sich Flüssigsauerstoff und Methan für die BFR-Triebwerke gewinnen.

Für die Versorgung der ISS und den Transport von Satelliten wird in einigen Jahren ebenfalls das BFR zum Einsatz kommen.

BFR auf dem Mond: Sollte der Mond das Hauptziel der NASA werden, ist SpaceX vorbereitet. (Bild: SpaceX)

Alles auf eine Karte

Musk kündigte dann auch folgerichtig an, dass BFR mittelfristig alle anderen Trägersysteme von SpaceX ablösen wird: Falcon 9, Falcon Heavy, sowie die Dragonkapsel. Damit wolle man es ermöglichen, in Zukunft alle Ressourcen der Firma auf die Entwicklung von BFR zu konzentrieren. Unter diesem Gesichtspunkt wird auch die Entscheidung verständlicher, den Marslander Red Dragon nicht weiterzuentwickeln.

Für den Fall, dass die Arbeiten an BFR langsamer als geplant vorankommen bzw. Kunden die bereits existierenden Träger bevorzugen, wird SpaceX Falcon-Stufen auf Vorrat produzieren.

Was das BFR-System wirklich revolutionär macht sind seine extrem niedrigen Startkosten dank vollständiger Wiederverwendbarkeit. Laut Musk wird ein Start von BFR weniger kosten als eine Falcon 1-Mission, d.h. unter 10 Millionen Dollar. Damit würde SpaceX mit dem neuen System bestehende Anbieter preislich ca. um den Faktor 100 unterbieten. Schon jetzt ist die Falcon 9 der mit Abstand günstigste westliche Träger, was sich auch in der Zahl der Startaufträge für SpaceX widerspiegelt: Nach ca. 20 Starts in diesem Jahr werden es 2018 voraussichtlich um die 30 sein - das entpricht 50% der durchschittlichen Anzahl aller orbitalen Raketenstarts in einem Jahr weltweit. Wie sich europäische Anbieter unter diesen Bedingungen halten sollen, ist unklar.

Vergleich der Startkosten internationaler Träger (Bild: SpaceX)

Entwicklung läuft

Musk zeigte bei seiner Präsentation ein Video einer Testzündung des Raptor-Triebwerks. Zusammengerechnet hat der Antrieb mittlerweile 20 Minuten Testbetrieb hinter sich, die längste Zündung lief über 100 Sekunden. Insgesamt gab es bislang 42 Triebwerkstests.

Die technischen Eckdaten von Raptor sind nun etwas weniger ambitioniert, doch Musk deutete an, dass man das Triebwerk Schritt für Schritt in Richtung der ursprünglichen Ziele weiterentwickeln werde; so lief es in der Vergangenheit auch mit dem Merlin-Antrieb der Falcon 9.

Der Prototyp eines Riesentanks wurde bis an seine Grenzen und darüber hinaus getestet. SpaceX ist nun zuversichtlich, dass der Einsatz von Verbundwerkstoffen für die Herstellung machbar ist.

Die Fertigungsanlagen für BFR sind laut Musk bereits bestellt bzw. im Bau. Die Konstruktion des ersten Exemplars soll bereits in sechs bis neun Monaten beginnen.

Zeitplan 

Damit scheinen die angekündigten Zieldaten zumindest nicht völlig ausgeschlossen. Zwei unbemannte Frachtmissionen zum Mars 2022, gefolgt von zwei bemannten Missionen sowie zwei weiteren Frachtflügen 2024.
Selbst wenn sich der Zeitplan deutlich nach hinten verschiebt, zum Beispiel auf 2030, wäre das immer noch ein Jahrzehnt früher (und in der Umsetzung bereits jetzt wesentlich konkreter) als entsprechende Vorhaben der NASA.

Mit dem BFR von New York nach Shanghai

Zum Schluss seines Vortrags zeigte Musk noch ein Video, das den möglichen Einsatz der neuen Rakete für schnelle Interkontinentalflüge zeigt: Die meisten Langstrecken ließen sich damit in ca. einer halben Stunde zurücklegen, jeder Punkt auf der Erde wäre in weniger als einer Stunde erreichbar.




Sonntag, 10. September 2017

Überblick SpaceX/NASA

Nach längerer Pause hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Meldungen der letzten Wochen.

Neuer NASA-Chef

Rep. Jim Bridenstine (Bild: United States Congress)
Die Trump-Regierung hat nun offiziell Jim Bridenstine für das Amt des NASA-Leiters nominiert. Er muss noch durch den Senat bestätigt werden. Auch wenn es Kritik von einigen Politikern gibt (die sich ironischerweise darüber beschweren, dass ein Politiker als Chef der Raumfahrtbehörde ungeeignet sei), stehen die Chancen gut, dass er den Posten übernimmt. Bridenstine war bislang Abgeordneter im Repräsentantenhaus des US-Kongresses und zeigte großes Intereresse für Raumfahrtthemen. Er hatte sich aktiv um den Job beworben.

Bridenstine folgt auf den recht glück- und farblosen Charlie Bolden. Dessen Vorgänger Michael Griffin, von dem man einige Zeit munkelte, er wolle zurück zur NASA, ist mittlerweile in die Privatwirtschaft gewechselt.

Wohin Bridenstine die Behörde steuern wird, bleibt abzuwarten. Offizielle Vorgaben von der Trump-Regierung gibt es nämlich, mehr als sieben Monate nach Amtsantritt, immer noch nicht. Es deutet Vieles darauf hin, dass der große Wurf ausbleiben wird und man stattdessen versuchen wird, privatwirtschaftlich fokussierte Initiativen wie COTS und Commercial Crew einerseits und die beiden NASA-Großprojekte SLS und Orion andererseits in einer Art friedlichen Koexistenz zu halten.


SpaceX bringt Mini-Shuttle der Air Force ins All

Am 7. September hat SpaceX zum ersten Mal eine Nutzlast für die US-Luftwaffe in die Umlaufbahn befördert. Und nicht irgendeine: Die X-37B ist ein unbemannter Raumgleiter, der im Orbit geheime Aufgaben ausführt. Bereits viermal war das Shuttle seit 2010 im All, die Missionen dauerten bis zu zwei Jahre. Bisher wurde für den Transport immer eine Atlas V von SpaceX-Konkurrent ULA genutzt.

Eine X-37B nach der Landung (Bild: US Air Force)

Hier das Video, inklusive Landung der ersten Stufe in Cape Canaveral:


Zuvor waren bereits die FORMOSAT-5-Mission am 24. August sowie ein Versorgungsflug zur ISS am 14. August erfolgreich.

Zeitraffer-Video, aufgenommen von Bord der ersten Stufe


Erste Bilder von SpaceX-Raumanzug

Elon Musk hat auf Twitter zwei Fotos des neuen Raumanzugs veröffentlicht, den Astronauten an Bord der Dragon 2-Kapsel tragen werden, wenn sie nächstes Jahr zum ersten Mal starten. Auffallend ist das im Vergleich zu herkömmlichen Anzügen sehr ästhetische Erscheinungsbild. So etwas könnte man sich auch als Kostüm in einem Science-Fiction-Film vorstellen.


Voraussichtlich 2018 wird SpaceX erstmals bemannte Missionen durchführen (Bild: SpaceX)


Donnerstag, 20. Juli 2017

SpaceX Update

Bei einem Auftritt von Elon Musk auf einer Raumfahrt-Konferenz gestern in Washington wurde eine ganze Reihe neuer Informationen bekannt. Hier das Wichtigste in Kürze:

  • Dragon 2, die bemannte Version der Dragon-Kapsel, wird nun doch mit Hilfe von Fallschirmen landen, statt mit Hilfe ihrer seitlich montierten Raketenmotoren (diese werden damit nur noch für den Fall eines Abbruchs in der Startphase benötigt). Die überarbeitete Frachtversion wird, wie die jetzige Version, über keine SuperDraco-Triebwerke verfügen.

Triebwerkstest von Dragon 2 im letzten Jahr (Bild: SpaceX)

  • Elon Musk sieht für den ersten Start der Falcon Heavy ein großes Risiko. Man sei während der Entwicklung anfänglich "naiv" gewesen. Er glaube eher nicht daran, dass man bei diesem Testflug die Umlaufbahn erreichen werde.
  • Red Dragon, also der Plan, ca. alle zwei Jahre eine unbemannte Dragonkapsel mit wissenschaftlichen Nutzlasten auf dem Mars zu landen, ist vorerst auf Eis gelegt. Dies hängt mit der Entscheidung gegen die ursprünglich geplante Landung mit Raketenantrieb bei Dragon 2 zusammen und damit, dass sich die Erfahrungen nicht auf das langfristig geplante ITS übertragen ließen.

Wird vorerst nicht verwirklicht: Red Dragon auf der Marsoberfläche (Bild: SpaceX)

  • ITS: Die Marsrakete kommt später. Stattdessen soll zuerst eine deutlich kleinere ITS-Version entwickelt werden, für kommerzielle Missionen in die Erdumlaufbahn. Wahrscheinlich ist damit unter anderem das Internet-Satellitenprojekt von SpaceX gemeint. Das Mini-ITS soll wie sein großer Bruder vollständig wiederverwendbar sein und auf das methangetriebene Raptor-Triebwerk setzen, das derzeit noch entwickelt wird. Die Nutzlast dieser neuen Rakete ist vermutlich vergleichbar mit der von New Glenn von Blue Origin oder der Saturn V-Mondrakete. Ein offizielles Update, wie der Plan für eine Marsmission mittlerweile aussieht, könnte es auf dem IAC 2017 geben.
  • SpaceX hat für dieses Jahr bereits 10 erfolgreiche Missionen vorzuweisen, 12 weitere Starts sind für 2017 geplant.
  • Bis Ende 2018 soll Musks Vorgabe erreicht sein, eine bereits geflogene Stufe innerhalb von 24 Stunden wiederzuverwenden.
  • Die Nutzlastverkleidung soll bis Anfang nächsten Jahres wiederverwendbar gemacht werden; die beiden Verschalungen kosten immerhin um die fünf Millionen Dollar und werden normalerweise im Ozean versenkt.
  • Musk sieht nun in einer bemannten Mondbasis die Möglichkeit, die Öffentlichkeit stärker für Raumfahrt zu begeistern. Es häufen sich die Anzeichen, dass SpaceX sich für den Fall positionieren möchte, dass die Trump-Regierung eine Rückkehr zum Mond als neues Hauptziel für die NASA ausgibt.

Das nächste Großprojekt nach der ISS? (Bild: NASA)


Sonntag, 4. Juni 2017

Übersicht Raumfahrtnachrichten

Hier ein kompakter Überblick zu ein paar interessanten Themen der letzten Wochen:

Stratolaunch zeigt erstmals Trägerflugzeug

Es ist das weltweit größte Flugzeug, gemessen an der Spannweite, und wurde von Paul Allens Firma Vulcan Aerospace in Zusammenarbeit mit Scaled Composites (Gewinner des X-Prize 2004) entwickelt. Das Projekt begann 2011. Der Plan sieht vor, dass das Flugzeug bis zu drei Trägerrakten auf große Höhe transportiert, wo sie ausgeklinkt werden, um dann ihre Nutzlast ins All zu befördern. Vorteile eines solchen Systems wären eine weitgehende Unabhängigkeit vom Wetter (Flugzeuge können bei weit schlechteren Bedingungen starten als Raketen) und die Möglichkeit, von jedem Flughafen mit einer längeren Rollbahn starten zu können (statt von einer Raketenbasis).
Nachdem das Riesenflugzeug nun erstmals seinen ebenfalls überdimensionierten Hangar auf dem Mojave Spaceport in Kalifornien verlassen hat, stehen zunächst Betankungstests an. In ein paar Monaten könnte es den ersten Testflug geben, erste Flüge ins All sind derzeit für 2019 geplant.

Das Flugzeug besteht zum großen Teil aus Verbundwerkstoff. Die Triebwerke stammen von Boeing 747 Jumbojets (Bild: Vulcan Aerospace)


Electron-Rakete von Rocket Lab erreicht beim ersten Start den Weltraum

Das Unternehmen wurde bereits 2006 gegründet und hat es sich zum Ziel gesetzt, mit der Electron-Rakete ein Trägersystem speziell für sehr kleine Nutzlasten zu entwickeln. Die Startkosten sollen im kommerziellen Betrieb bei knapp 5 Millionen Dollar liegen. Das System ist nicht wiederverwendbar.
Nach vier Jahren Entwicklungszeit hob Electron nun am 25. Mai zum ersten Mal von einer privaten Startbasis der Firma in Neuseeland ab. Obwohl die zweite Stufe es nicht in die Erdumlaufbahn schaffte, zeigt man sich bei Rocket Lab zufrieden: wichtige Meilensteine wie Stufentrennung und Abwurf der Nutzlastverkleidung wurden erreicht.

(Bild: Rocket Lab)


CRS-11 Mission zur ISS erfolgreich gestartet

Eine Dragon-Kapsel von SpaceX startete am gestrigen Samstag von Cape Canaveral in Florida zur Internationalen Raumstation. Erneut gelang die Landung der ersten Stufe der Falcon 9-Trägerrakete. Die Stufenrückführung scheint für SpaceX langsam zur Routine zu werden.
Zum ersten Mal wurde bei diesem Flug eine Dragon-Kapsel wiederverwendet, die bereits im All war.

Start und gelandete Stufe (Bilder: SpaceX)



Samstag, 13. Mai 2017

NASA verschiebt ersten Start von SLS auf 2019, erste Mission weiterhin unbemannt

Nachdem die Trump-Regierung Anfang des Jahres bei der NASA angefragt hatte, ob man die erste geplante SLS-Mission nicht mit Astronauten an Bord durchführen könnte, hat man sich bei der Raumfahrtbehörde nun dagegen entschieden - und das Startdatum um ein weiteres Jahr nach hinten verschoben.

Ursprünglich sollte die neue Riesenrakete spätestens bis zum 31. Dezember 2016 das erste Mal abheben; im Oktober 2010 unterzeichnete Präsident Obama ein entsprechendes Gesetz des US-Kongresses. Die Existenz von SLS verdankte sich von Anfang an vor allem der politischen Unterstüzung von Abgeordneten, in deren Heimatstaaten bzw. -bezirken durch dieses Projekt Arbeitsplätze geschaffen bzw. erhalten wurden. Und obwohl diese Politiker dafür sorgten, dass SLS wesentlich mehr Geld bekam als von der Regierung gefordert, hat es offensichtlich nicht gereicht. Insgesamt wurden bislang gut 20 Milliarden Dollar für die Entwicklung von SLS und Orion ausgegeben, weitere 9 Milliarden für Arbeiten während des eingestellten Constellation-Programms.

Als Grund für die erneute Verzögerung nannte man bei der NASA unter anderem die große Komplexität des Vorhabens, Probleme mit dem in Europa entwickelten Orion-Servicemodul und Tornadoschäden an NASA-Einrichtungen in Louisiana. Auch ein Unfall am 3. Mai, bei dem ein Tanksegment für das SLS stark beschädigt wurde, dürfte den Zeitplan durcheinandergewirbelt haben.

Das SLS ist, anders als viele NASA-Projekte der letzten Jahrzehnte, eine Rakete, die nicht mehr nur auf dem Papier existiert. (Bild: NASA)

Als neues Startdatum ist nun November 2019 im Gespräch. Das hieße, dass die (ebenfalls um Jahre verpätete) Falcon Heavy von SpaceX mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihren Erstflug vor dem SLS haben wird. Wenn es schlecht läuft für die NASA, könnte ihr auch Blue Origin mit der New Glenn-Trägerrakete zuvorkommen. Sowohl New Glenn als auch Falcon Heavy spielen mit ihrer Nutzlastkapazität in etwa derselben Liga wie das SLS der NASA, sind aber sowohl in der Entwicklung als auch im Betrieb um ein Vielfaches günstiger.

Erste Mission bemannt: zu teuer, zu riskant

Nachdem die Trump-Regierung die Möglichkeit ins Spiel gebracht hatte, bereits die erste SLS-Mission bemannt durchzuführen, untersuchte die NASA diese Idee im Rahmen einer Studie. Ergebnis: geschätzte Mehrkosten von 600-900 Millionen Dollar, zusätzliche Risiken und keine nennenswerten Vorteile gegenüber dem urspünglichen Plan, frühestens 2021 Astronauten mit SLS ins All zu schicken. Es ist sehr wahrscheinlich, dass man sich mit dem Weißen Haus vor Bekanntgabe der Entscheidung abgestimmt hat.

Da die NASA als Konkurrenz ausfällt, wird wohl SpaceX zum ersten Mal seit rund einem halben Jahrhundert erneut Menschen zum Mond schicken (Bild: SpaceX)

Unterm Strich lässt sich festhalten, dass die Überlebenschancen von SLS mit dem gestrigen Update gesunken sind. Dennoch ist ein totales Aus nicht absehbar, solange die Verfechter des Status quo bei der NASA und in der Trump-Regierung ihre Position verteidigen können. Das könnte sich ändern, sollte Trump sich für eine größere Reform der NASA entscheiden, wozu es zumindest bis vor einigen Monaten wohl ernsthafte Überlegungen gab. Bis jetzt sind die großen Linien einer zukünftigen Raumfahrtpolitik unter Trump jedoch nicht erkennbar.


Freitag, 7. April 2017

Blue Origin Update

Damit dieser Blog nicht zu SpaceX-lastig wird, hier eine kompakte Übersicht zu den Plänen und Aktivitäten von Hauptkonkurrent Blue Origin:

New Shepard

Der suborbitale Senktrechtstarter (und -lander) hat bislang fünf Testflüge absolviert. Dieses Exemplar hat damit ausgedient und wird wohl ins Museum wandern. Blue Origin arbeitet derzeit an drei neuen Shepard-Boostern und zwei dazugehörigen Crewkapseln, die viele kleine Verbesserungen beinhalten. Unbemannte Testflüge damit sollen bis zum Herbst dieses Jahres beginnen. Erste bemannte Flüge wären vielleicht schon Anfang 2018 möglich, bevor dann Ende des nächsten Jahres die ersten zahlenden Passagiere mit New Shepard ins All fliegen sollen. Richard Bransons Virgin Galactic bekommt also Konkurrenz.

Virgins Raumflugzeug...

...gegen Blue Origins Senkrechtstarter: Welcher Ansatz kann sich durchsetzen? (Bilder: Virgin Galactic u. Blue Origin)


BE-4

Blue Origin arbeitet schon seit mehreren Jahren am methangetriebenen BE-4-Triebwerk. Nun stehen erste Tests eines vollständigen Triebwerks bevor. Sollten diese erfolgreich verlaufen, kann sich Jeff Bezos' Unternehmen gute Chancen ausrechnen, von ULA den Zuschlag als Triebwerkshersteller für deren neue Vulcan-Rakete zu erhalten. Das sagte ULA-Chef Tory Bruno in einem Interview.

Finanzierung

Jeff Bezos verkauft nach eigener Aussage jedes Jahr Amazon-Aktien im Wert von ca. 1 Milliarde Dollar um Blue Origin zu finanzieren. Bezos Vermögen wird auf gut 70 Milliarden Dollar geschätzt, damit ist er derzeit der drittreichste Mensch der Welt.
Bezos veranschlagt für die Entwicklung der orbitalen New Glenn-Trägerrakete etwa 2,5 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: die Entwicklung der ursprünglichen Falcon 9 kostete knapp 400 Millionen Dollar, die Entwicklungskosten bis zur Wiederverwendbarkeit der ersten Stufe betrugen ca. 1 Milliarde Dollar.


Eine finanzstarke Kombination: Blue Origin ist dank Amazon finanziell unabhängig (Bilder: Amazon u. Blue Origin)

Blue Moon

Die Trump-Regierung hat bislang nicht erkennen lassen, wie sie sich die Zukunft des Raumfahrtprogramms vorstellt. Sollte es jedoch eine Neuausrichtung auf den Mond als Hauptziel geben, würde Blue Origin sich an einem solchen Unterfangen gerne als Logistikunternehmen beteiligen, das eine mögliche NASA-Mondbasis mit Nachschub versorgt. Bezos schlägt dazu die Entwicklung eines "Blue Moon" getauften Landers vor. Hierbei könnte man auf die mit New Shepard gewonnen Erfahrungen zurückgreifen. Der Lander könnte von verschiedenen Trägersystemen ins All gebracht werden.