Mittwoch, 1. Mai 2019

NASA schätzt Mehrkosten für Mondlandung bis 2024 auf 40 Milliarden Dollar

Der normalerweise ausgezeichnet informierte Raumfahrtjournalist Eric Berger schreibt heute auf arstechnica über Budgetschätzungen der NASA für ein beschleunigtes Mondprogramm.

Demnach rechnet man mit zusätzlichen Kosten von ca. acht Milliarden Dollar jährlich für die nächsten fünf Jahre, soll das Ziel einer bemannte Landung schon 2024 (statt wie bisher angedacht 2028) erreicht werden. Auch gibt es laut Berger Widerstände innerhalb der NASA-Bürokratie. Vor allem der hochrangige NASA-Manager William Gerstenmaier scheint am ursprünglichen Zeitplan festhalten und den Schwerpunkt bis auf Weiteres auf die Gateway genannte Station im Mondorbit legen zu wollen. Es wäre nicht das erste Mal, dass NASA-Bürokraten von der Politik vorgegebene Ziele sabotieren, siehe Bushs Space Exploration Initiative von 1989, für deren Umsetzung die Raumfahrtbehörde einen völlig unpraktikablen und extrem teuren Plan präsentierte.

Doch allein die geschätzten Mehrkosten lassen es äußerst unwahrscheinlich erscheinen, dass das jetzige Vorhaben in die Tat umgesetzt werden wird. Im Repräsentantenhaus haben die Demokraten die Mehrheit und sie werden für ein Trump-Projekt sicher keine zusätzlichen Mittel bewilligen. Im Senat hält Richard Shelby die Fäden in der Hand, mit dem der neue NASA-Chef es sich bereits nachhaltig verscherzt haben könnte, als er die Möglichkeit ins Spiel brachte, die erste Orion-Mission zum Mond statt mit SLS (ein von Senator Shelby seit Jahren protegiertes Projekt) mit einer kommerziellen Rakete durchzuführen.

Hohe Kosten, fraglicher Nutzen: Gateway würde quasi eine Mini-ISS im Mondorbit (Bild:NASA)

Soll das Mondprojekt tatsächlich beschleunigt werden, ohne dabei von einer völlig unrealistischen Finanzplanung auszugehen, führt an einer kompletten Umstrukturierung der bisherigen Planung kein Weg vorbei. Ein rein kommerziell ausgerichtetes Programm ohne SLS, Orion und Gateway-Station könnte vielleicht mit den vorhandenen Mitteln realisiert werden. Die Chancen dafür stehen allerdings mindestens ebenso schlecht wie für einen Erfolg unter Beibehaltung des Status quo.

Mögliche Alternative: Starship von SpaceX ermöglicht Landungen auf Mond und Mars ganz ohne Gateway (Bilder: SpaceX)


Montag, 29. April 2019

Neue offizielle Bilder von Starship

Elon Musk hat heute auf Twitter zwei neue Bilder des überarbeiteten Starship-Designs gepostet. Durch die blank polierte Außenhaut aus Edelstahl ähnelt es den Science-Fiction-Visionen einer Weltraumrakete aus den 50er Jahren.

Die Evolution des Starship-Designs von 2017 bis heute, von oben nach unten (Bilder: SpaceX)

Starship auf dem Mond (Bild: SpaceX)



Die Ähnlichkeit zu von Brauns frühen Ideen ist verblüffend

Montag, 22. April 2019

Nachrichten März/April

Erfolgreicher Testflug von Crewdragon, Explosion bei Test am Boden

Bereits am 2. März startete die Dragon 2-Kapsel, die in naher Zukunft Astronauten ins All bringen soll, zu ihrem ersten unbemannten Testflug. Im Rahmen der mehrfach verschobenen Demo-1-Mission wurde das von SpaceX entwickelte Raumfahrzeug an der Spitze einer Falcon 9-Rakete in eine Erdumlaufbahn befördert. Die Kapsel erreichte die Internationale Raumstation ISS am nächsten Tag, gut 24 Stunden nach dem Start. An Bord ein "Ripley" getaufter Testdummy, sowie ein etwa ballgroßes Kissen in Form einer anthropomorphen Erde. Das niedliche Stofftier sollte dabei schlicht als "zero-g indicator" dienen, also das Eintreten der Schwerelosigkeit anzeigen.
Dragon 2 dockte selbstständig an der Raumstation an; anders als die Dragon-Frachtkapsel, die vom Roboterarm der ISS geführt "anlegt" (berthing). Alle Systeme, einschließlich der Lebenserhaltung, funktionierten augenscheinlich einwandfrei.
Am 8. März dockte Dragon 2 wieder ab und wasserte im Atlantik, wo sie von einem SpaceX-Schiff an Bord genommen wurde.

Dragon 2 beim Andockmanöver am 3. März (Bild: NASA)

Der Weg für den letzten unbemannten Test, bei dem ein Abbruch während des Fluges erprobt werden soll, schien nach der erfolgreichen ersten Demomission frei. Doch leider gab es am 20. April bei einem Test am Boden mit der Dragon 2-Kapsel einen schweren Zwischenfall. Aus noch ungeklärter Ursache kam es zu einer Explosion, bei der die Kapsel (die eigentlich auch bei der zweiten Demomission zum Einsatz kommen sollte) zerstört wurde.

Die NASA und SpaceX untersuchen das Problem. Es wird somit praktisch sicher zu weiteren Verzögerungen kommen, so dass unklar ist, ob wie geplant noch in diesem Jahr die erste Mission mit Astronauten an Bord starten kann.


Zweiter Flug von Falcon Heavy

Ein gutes Jahr nach dem erfolgreichen Erststart hob der Schwerlastträger von SpaceX am 11. April zum zweiten Mal ab. Statt eines Tesla-Roadsters als Testnutzlast war diesmal der sechseinhalb Tonnen schwere Kommunikationssatellit Arabsat-6A an Bord.

Start vom frisch renovierten Startkomplex 39A in Florida (Bild:SpaceX)

Die Mission war ein voller Erfolg: Diesmal gelang die Rückführung aller drei Booster; auch die Zentralstufe schaffte die Landung auf der Seeplattform im Atlantik (beim Jungfernflug war diese noch auf dem Wasser zerschellt). Dabei erreichte sie bei Brennschluss eine Rekordgeschwindigkeit von weit über 10000 km/h.

Synchrone Landung der beiden Seitenbooster (Bild: SpaceX)

Leider kam es dann aber noch zu einem Zwischenfall bei der Rückfahrt zur Küste. Bei schwerer See stürzte die Stufe um. Die Triebwerkssektion konnte aber gerettet werden.

Die Nutzlastverkleidungen wurden bei dieser Mission ebenfalls aus dem Wasser geborgen. Falcon Heavy ist somit zu mehr als 90% wiederverwendbar, nur die Oberstufe ist noch für eine Einwegnutzung vorgesehen.

Als nächste Mission steht im Juni STP-2 für das US-Militär an.


Erste Tests mit Starhopper 

Die Arbeiten am Prototypen für die Marsrakete von SpaceX gehen weiter. Inzwischen wurde ein einzelnes Raptortriebwerk an der Unterseite montiert und Starhopper hat zwei kleine Hüpfer unternommen - ganz ähnlich wie vor Jahren der Prototyp für die wiederverwendbare Falcon 9, Grasshopper. Der orbitale Prototyp wird auf demselben Gelände montiert und könnte vielleicht schon nächstes Jahr die Umlaufbahn erreichen. Unvorhergesehene Schwierigkeiten können die Planung aber jederzeit durcheinander bringen, siehe Dragon 2.

Stimmungsvolles Bild von Starhopper auf dem Testgelände in Texas (Bild: SpaceX)


Dienstag, 26. März 2019

USA wollen 2024 wieder auf dem Mond landen

US-Vizepräsident Pence kündigte heute an, dass man innerhalb von fünf Jahren erneut Astronauten zum Mond schicken wolle. Die bisher letzte bemannte Mondmission war Apollo 17 im Jahr 1972.

Die Trump-Regierung hatte bereits Ende 2017 eine Rückkehr zum Mond als neues Ziel für die NASA ausgegeben, nachdem der Fokus unter Obama auf der Vorbereitung einer bemannten Marsmission gelegen hatte (diese hätte allerdings nach letzten Prognosen frühestens Ende der 30er Jahre starten sollen).
Intern war man bisher von 2028 als Datum für eine eine erste Landung im Rahmen des neuen Mondprogramms ausgegangen. Der Zeitplan soll nun also deutlich gestrafft werden. Langfristiges Ziel ist weiterhin der Aufbau einer Mondbasis und auch bemannte Marsmissionen.

Erst vor zwei Wochen hatte NASA-Chef Bridenstine für Aufsehen gesorgt, als er die Möglichkeit ins Spiel brachte, die erste Mission der Orion-Kapsel mit einer privaten Rakete statt mit der um Jahre verspäteten Riesenrakete SLS durchzuführen. Dieser Alternative werden aber nur geringe Chancen auf Verwirklichung eingeräumt.

Es ist unklar, wie eine derart drastische Beschleunigung des Zeitplans für bemannte Mondlandungen gelingen soll, wenn es bei der bisherigen Planung bleibt, in der SLS und eine kleine Raumstation im Mondorbit (die von vielen als unnütz kritisiert wird) eine wichtige Rolle spielen. Von Budgeterhöhungen für die Raumfahrtbehörde war jedenfalls keine Rede.

Herzstück des bisherigen Plans: Lunar Gateway, ein Projekt mit zweifelhaftem Nutzen (Bild: NASA)

Die NASA unter Trump will private Firmen beim Mondprojekt einbinden, insbesondere "New Space"-Unternehmen wie SpaceX und Blue Origin. SpaceX plant die ersten orbitalen Flüge mit ihrer wiederverwendbaren Riesenrakete Starship bereits für nächstes Jahr. Eine bemannte Mondmission wäre damit kein Problem - ohne SLS, ohne Lunar Gateway. Elon Musk äußerste sich bereits entsprechend; er denke dabei ein an wettbewerbsorientiertes, kommerzielles Programm zum Aufbau einer Mondbasis - eine Bezahlung der beteiligten Unternehmen würde nur bei erfolgreicher Landung erfolgen.

Starship beim Wiedereintritt in die Atmosphäre in einer künstlerischen Darstellung (Bild: SpaceX/Popular Mechanics)

Es wir sich bald zeigen, wie ernst man die Vorgabe von Pence nehmen kann. Ohne eine grundlegende Planänderung wird es nicht gehen, eine Mondlandung mit SLS bis 2024 ist praktisch ausgeschlossen. Pence machte zwar entsprechende Andeutungen, doch SLS hat immer noch eine sehr starke Lobby im US-Kongress.


Mittwoch, 13. März 2019

SLS-Projekt zunehmend unter Druck

Es sieht so aus, als könnte sich die NASA den Realitäten nicht länger verweigern: Die erste Orion-Mission wird nun möglicherweise mit einer Falcon Heavy statt mit SLS starten.

Bei einer Anhörung vor dem Kongress sagte NASA-Chef Bridenstine, dass man in Erwägung ziehe, die für Sommer 2020 geplante erste Mission mit der Orion-Crewkapsel statt mit dem neuen Schwerlastträger SLS mit einer kommerziellen Trägerrakete durchzuführen. Orion wird bei dieser Mission unbemannt eine Mondumrundung durchführen. Für diese Aufgabe ist derzeit eigentlich nur die Falcon Heavy von SpaceX ausreichend leistungsstark. New Glenn von Blue Origin wird frühestens 2021 zum ersten Mal abheben, kommt daher also nicht in Frage. Mit Delta IV oder Atlas V bräuchte es wohl zwei Starts, um die knapp 26 Tonnen schwere Crewkapsel samt Servicemodul und außerdem eine Oberstufe für den Einschuss auf eine Flugbahn zum Mond separat in eine Erdumlaufbahn zu befördern.

Scheinen sich gut zu verstehen: Elon Musk (links) und Jim Bridenstine (Quelle: Twitter)

Schon im neuen Budgetvorschlag der Trump-Regierung kam SLS nicht gut weg. Eine unbemannte Forschungsmission zum Jupitermond Europa (Europa Clipper) soll nun nicht mehr mit der NASA-Rakete stattfinden, sondern auch hier setzt man auf kommerzielle Alternativen. Außerdem sollen die Arbeiten an der Block 1B genannten, leistungsfähigeren Variante des Trägers auf Eis gelegt werden. Es sieht zunehmend so aus, als bereite man sich schon auf das Ende des Projekts vor, das wohl ohnehin unausweichlich ist, sobald New Glenn von Blue Origin und Starship von SpaceX einsatzbereit sind. Diese Trägersysteme sind im Gegensatz zu SLS ganz bzw. teilweise wiederverwendbar und um ein Vielfaches günstiger in Betrieb und Entwicklung.


Sonntag, 17. Februar 2019

Nachrichten Januar/Februar


Mehr Informationen zum Hitzeschutz-System von Starship

Elon Musk hat näher erläutert, wie er sich das Hitzeschutz-System vorstellt, mit dem Starship sicher zur Erde zurückkehren soll. Wie bereits bekannt, wird das wiederverwendbare Raumschiff nun aus Edelstahl (statt wie ursprünglich geplant aus Verbundwerkstoff) gefertigt werden. Stahl ist zwar schwerer aber auch hitzebeständiger. Der eigentliche Clou wird aber ein neuartiges System zur aktiven Kühlung der Außenhaut sein: Durch tausende winzige Löcher entweicht Wasser oder Treibstoff und führt so Hitze ab: Das Raumschiff "schwitzt". Ein derartiges System ist noch nie in der Raumfahrt erprobt worden. Sollte es jedoch funktionieren, wäre es ein großer Fortschritt gegenüber kachelbasierten oder ablativen Hitzeschilden.

Noch gibt es keine offiziellen Bilder des aktuellen Designs, aber so oder ähnlich dürfte es aussehen (Bild: Reese Wilson)


Raptor-Tests

Seit dem 3. Februar laufen bei SpaceX die ersten Tests eines Raptor-Triebwerks in Originalgröße. Dabei wurde schon jetzt ein Rekord in puncto Brennkammerdruck gebrochen, der über Jahrzehnte vom russischen RD-180-Triebwerk gehalten worden war. Raptor erreichte einen Brennkammerdruck von 268,9 bar. Das ist immer noch ein gutes Stück von den ursprünglich anvisierten 300 bar entfernt, aber vermutlich wird man sich langsam steigern, wie auch schon bei der Entwicklung des Merlin-Triebwerks. Auf jeden Fall sind die Tests ein großer Erfolg, da Raptor quasi das Herzstück der neuen Riesenrakete Super Heavy/Starship darstellt. Mit ihm steht und fällt der Erfolg dieses Projekts.

Raptor auf dem Teststand (Bild: SpaceX)


Vorbereitungen für zweiten Start von Falcon Heavy

Frühestens Ende März wird SpaceX' Flagschiff Falcon Heavy nach dem geglückten Jungfernflug im Februar letzten Jahres zum zweiten Mal abheben. Es scheinen nun alle drei Falcon-Stufen den Startkomplex in Florida erreicht zu haben. Bei der Mission soll der Kommunikationssatellit Arabsat-6A ins All gebracht werden. Bereits im April könnte die STP-2-Mission für das US-Militär folgen. Sehr wahrscheinlich wird es aber zu Verzögerungen kommen.


Stratolaunch beerdigt Zukunftspläne

Nach dem Tod seines Gründers Paul Allen im vergangenen Oktober scheinen die Raumfahrt-Ambitionen von Stratolaunch Geschichte zu sein. Wie das Unternehmen mitteilte, wurden die Entwicklungsarbeiten an eigenen Trägerraketen eingestellt. Das riesige Trägerflugzeug soll zwar weiterhin Flüge mit der Pegasus XL-Rakete von Orbital durchführen, doch ist dies nicht vergleichbar mit den ursprünglichen Plänen, an deren Ende ein voll wiederverwendbares System stehen sollte.

Ersatzlos gestrichen: Nur Pegasus XL (ganz links) wird weiterentwickelt (Bild: Stratolaunch)


Mondpläne der NASA

Die amerikanische Raumfahrtbehörde will - wieder einmal - zurück zum Mond. Bis Ende der 20er Jahre sollen wieder Astronauten den Erdtrabanten betreten. Dieses Mal sollen private Unternehmen sehr viel stärker eingebunden werden, so gibt es nun etwa - analog zum Commercial Orbital Transportation Services und zum Commercial Crew Programm - ein Commercial Lunar Payload Services Programm. Allerdings scheint die Behörde für bemannte Missionen auch weiterhin darauf zu beharren, einen Referenz-Missionsplan vorzugeben, an dem sich alle Firmen mit ihren Vorschlägen orientieren müssen, wenn sie tatsächlich Gelder erhalten wollen. Dabei spielt eine "Gateway" genannte kleine Raumstation im Mondorbit eine zentrale Rolle. Diese wird jedoch von Kritikern wie dem Raumfahrt-Ingenieur Robert Zubrin als unnötig bzw. unsinnig angesehen. Tatsächlich würde ein solcher Zwischenstopp bei Mondlandungen mit dem BFR-System von SpaceX nicht benötigt. Wie offen die NASA tatsächlich für abweichende Ideen ist, wird sich zeigen. Da die Arbeiten an SLS und Orion aber weitergehen, ist nicht damit zu rechnen, dass ein grundlegend anderer Missionsplan (der diese milliardenschweren Projekte überflüssig machen würde) realistische Aussichten hat, angenommen zu werden.

Konzept für die "Gateway"-Raumstation mit angedockter Orion-Kapsel (Bild: NASA)


Freitag, 11. Januar 2019

Starhopper-Update

Der Prototyp für das geplante Starship von SpaceX (bislang BFR bzw. BFS genannt), ist (äußerlich) fertig; Elon Musk postete ein entsprechendes Bild auf Twitter. Die Testrakete im 50er-Jahre-Look wurde in weniger als zwei Monaten auf einem Feld in Texas zusammengeschweißt. Sie wird vor allem dazu dienen, das Gewicht und die äußere Form des späteren echten Raumschiffs für die neuen Raptortriebwerke zu simulieren, quasi ein fliegender Teststand.

Man beachte den Menschen im SpaceX-Raumanzug unten rechts
Künstlerische Darstellung (Bild: reddit-Nutzer zathermos und roow110)






















Musk rückte bei der Gelegenheit auch noch mit zwei weiteren Informationen heraus: Der erste orbitale Starship-Prototyp könnte bereits in sechs Monaten fertiggestellt sein (ein Flug in die Umlaufbahn könnte 2020 stattfinden, wenn es sehr gut läuft). Und die Super Heavy genannte Booster-Stufe wird, wie Starship, eine spiegelnde Außenhaut haben. Das dürfte dann etwa so aussehen wie im Bild oben rechts.

Mittwoch, 9. Januar 2019

News-Zusammenfassung zum Jahreswechsel

Nach längerer Pause hier zum Jahresanfang eine Zusammenfassung der Raumfahrt-Nachrichten für die vergangenen beiden Monate:

SpaceX-Update

Das BFR-Design ist immer noch im Fluss und hat sich allem Anschein nach noch einmal drastisch verändert. Außerdem gibt es zum wiederholten Mal eine Namensänderung. BFR heißt jetzt offiziell Starship (Oberstufe) bzw. Super Heavy (Booster). Die neue Riesenrakete von SpaceX wird nun hauptsächlich aus (rostfreiem) Stahl bestehen, statt wie bisher geplant aus Verbundwerkstoff. Laut Elon Musk ist Stahl vor allem bei hohen Temperaturen, wie sie beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auftreten, überlegen. Obwohl Stahl schwerer ist, lässt sich so bei der Gesamtkonstruktion Gewicht sparen, da kein separater Hitzeschild benötigt wird. Die stählerne Außenhaut von Starship wird ein spiegelndes Finish erhalten; damit wird die Rakete den 50er-Jahre-Visionen eines Raumfahrzeugs immer ähnlicher. Außerdem wird es ein aktives Kühlsystem geben: flüssiges Methan wird durch den Rumpf gepumpt werden, um so Hitze abzuführen.
Auch das Raptor-Triebwerk hat laut Musk ein "radikales" Redesign durchlaufen, eine erste Testzündung könnte nächsten Monat stattfinden.

Derzeit entsteht in Texas ein Prototyp des Starships, mit dem bereits im März oder April 2019 erste "Hüpfer" unternommen werden sollen. Ähnlich lief es auch bei der Entwicklung der wiederverwendbaren ersten Stufe der Falcon 9; SpaceX führte dafür Testflüge mit einem "Grasshopper" getauften Prototypen durch.
Der Starship-Prototyp hat mit neun Metern den gleichen Durchmesser wie die finale Version, ist aber deutlich kürzer. Drei Raptor-Triebwerke sollen das silbrig schimmernde Gefährt vom Boden heben.

Eine offizielle Präsentation des aktuellen BFR-Designs wird es voraussichtlich im Frühjahr geben. Musk schätzt die Chancen, dass Starship bereits 2020 die Erdumlaufbahn erreichen könnte, auf 60%.

Der Starship-Prototyp wird quasi auf freiem Feld zusammengeschweißt (Bild: SpaceX)

Ein aktuelles Bild aus Boca Chica, Brownsville, Texas



Weitere SpaceX-Nachrichten/Sonstiges:

CRS-16-Booster schafft die Landung nicht

Da die Hydraulik einer der Gitterflossen ausfiel, funktionierte diese beim Landeanflug nicht richtig und die erste Stufe geriet fast außer Kontrolle. Es gelang aber, sie soweit zu stabilisieren, dass eine sanfte Wasserlandung möglich war. Der Booster wurde geborgen und kann möglicherweise trotz des ungeplanten Bads im Atlantik erneut zum Einsatz kommen.



Wiederverwendung der Nutzlastverkleidung

Elon Musk twitterte, dass die Nutzlastverkleidung möglicherweise gar nicht an Bord des Bergungsschiffs "Mr. Steven" landen muss, um wiederverwendet werden zu können. Auch nach den bisherigen Wasserlandungen waren die Verschalungen in gutem Zustand.

Dazu ein Video von einem Test, bei dem der Auffangversuch nur um Haaresbreite misslang:



Hexenjagd bei der NASA

Anscheinend ist man bei der Raumfahrtbehörde nicht mit den Problemen um SLS und Orion ausgelastet. Jedenfalls war man dort angeblich so empört über Musks Auftritt in der Show von Joe Rogan, bei der er an einem Whisky nippte und es tatsächlich wagte, einmal an einem Joint zu ziehen (ohne zu inhalieren), dass es dazu nun eine offizielle und sehr tiefgreifende Untersuchung geben soll (einschließlich Befragung von SpaceX-Mitarbeitern). Ob es den Verantwortlichen bei der NASA tatsächlich darum geht, die Sicherheit ihrer Astronauten zu gewährleisten oder darum, die eigene blamable Leistung zu kaschieren (Orion seit 2005 in der Entwicklung, SLS um mindestens fünf Jahre verspätet), sei dahingestellt. Leider ist es möglich, dass sich durch dieses Politikum der erste bemannte Start mit Falcon 9/Dragon erneut verzögert. Derzeit ist ein unbemannter Test des Systems, bei dem ein Abbruch während des Flugs (einschließlich Sprengung der Trägerrakete) erprobt werden soll, für nächsten Monat geplant.

Die Dragon-Crewkapsel bei Tests auf der Startrampe (Bild: SpaceX)

FCC-Genehmingung für Starlink-Satelliten, Entlassungen am Starlink-Standort

SpaceX hat für sein Internet-Satelliten-Projekt von der amerikanischen Regulierungsbehörde für den Kommunikationsmarkt die Genehmigung für weitere 7518 Satelliten erhalten. Bereits im März hatte es grünes Licht für 4425 Satelliten gegeben. Im Februar wurden zwei Starlink-Testsatelliten, Tintin A&B, ins All gebracht, die die Erwartungen voll erfüllten. Derweil ist Elon Musk offensichtlich mit dem bisherigen Fortschritt am Projektstandort in Redmond unzufrieden; mehrere Manager wurden von ihm persönlich gefeuert.
Die Satellitenkonstellation wird frühestens 2020 den Betrieb aufnehmen.

InSight-Landung

Nach dem Mars-Rover Curiosity im Jahr 2011 ist die NASA erneut mit einer Sonde auf dem roten Planeten gelandet. Am 26. November erreichte die InSight-Mission nach einem halben Jahr Flugzeit den Mars. Die Landung erfolgte mit Hilfe von Fallschirmen und Bremsraketen. Die Sonde soll den inneren Aufbau des Planeten erforschen.

Die Insight-Sonde auf der Marsoberfläche (Bild: NASA)

Virgin Galactics erster "Raumflug"

Nach jahrelangen Verzögerungen hat es das Weltraumtourismus-Unternehmen von Milliardär Richard Branson endlich geschafft, mit seinem Raumflugzeug einen suborbitalen Raumflug durchzuführen. Gemeinhin wird eine Höhe von 100 Kilometern als Grenze zum Weltraum betrachtet, die so genannte Karman-Linie. Diese Marke erreichte Virgin Galactic nicht ganz. Trotzdem zeigt der Test, dass das Projekt wohl doch noch den kommerziellen Betrieb aufnehmen wird, wenn auch viel später als ursprünglich geplant.